Die Rolle der Voll- und Teilseelen in der fortwährenden Schöpfung

... ein Gedankenmodell, z. T. mit praktischen Beispielen


Vorwort

Anregungen speziell für die Themen „Voll- und Teilseele“ stammen teilweise aus dem Buch „Tausend Antworten auf Fragen zum Jenseits“ von Peter. H. Kirchner, aus Diskussionen und eigenen Erfahrungen. Seit dem ich denken kann, wurde mir Gott, besonders von der Kirche her, immer als Mann mit grauem Bart, der gütig, aber auch strafend sein kann, beschrieben. Ich hatte die Vorstellung, dass Gott, Jesus, der Hl, Geist, die Mutter Maria und den Erzengeln da oben irgendwo z. B. auf Wolken schweben. Desweitern wusste ich aus Bibel, dass Gott allgegenwärtig und auch allwissend sein soll. Ich brachte es irgendwie nie in die Reihe, dass Gott nur für die Christen und für anders Denkende, also für die Heiden, nicht zuständig ist. Heiden wurden sogar noch bestraft - obwohl sie von dem christlichen Gott gar nichts wussten.

Ferner hatte ich als Kind schon Probleme damit, dass wir aus der Ewigkeit kommen und wieder in die Ewigkeit gehen und unser kurzes Erdenleben für die „nächste Ewigkeit“ bestimmt, wo wir diese verbringen werden – in der Hölle oder im Himmel. Erst als ich mich mit dem Buddhismus über Jahre hinweg befasste, stellte ich fest, dass in der Bibel sehr wohl Wahrheiten stehen, wenn man diese etwas anders liest und die Interpretationen, die die christliche Kirche von sich gibt, nicht allzu ernst nimmt.

Das Zeitalter, in dem uns ständig vermittelt wird, in einer Opferrolle leben zu müssen, wandelt sich. Das "neue Bild" Gottes, auch aus dem Osten und der neuen Wissenschaft beeinflusst, dringt immer mehr in die Herzen der Menschen ein. Gott ist (Alles-was-Ist) ein unbeschreibliches, machtvolles Lichtwesen, dessen Energie alles erschaffen hat und weiterhin erschafft und mit unendlicher Liebe das Alles durchdringt, was in den Universen existiert – unabhängig von Entfernung, Ort und Zeit.

Der Dualismus ist eine allein von uns Menschen auf dieser Erde selbst erzeugte Daseinsform. Im Universum gibt es keine Einteilung von Gegensätzen. Die Polarität ist eine Illusion, die allein wir Menschen ständig schaffen. Deshalb wird die Mutter Erde auch als etwas besonders im Universum angesehen, da hier mit Gegensätzlichkeiten experimentiert werden darf.

Dieses Bild Gottes (Alles-was-Ist), des göttlichen Geistes, der nur Freude, Harmonie und Liebe ungefiltert für alles Existente aussendet kann ich wesentlich besser verstehen. Dies erklärt auch die Allgegenwärtigkeit. Am Beispiel "Sonne", dessen Strahlen ausnahmslos alles erwärmen, ohne nach Gut und Böse, Pflanzen, Lebewesen oder Sonstiges zu selektieren, lässt sich die Allgegenwärtig leichter begreifen. Auch das Beispiel eines Radio- und Fernsehsenders passt ganz gut. Die Frequenzen, des Senders erreichen ebenso alles (es hängt nur von der Sendestärke und Wellenlänge ab). Hat einer seine Empfangsantenne noch auf die annähernd „richtige Frequenz“ eingestellt, ist die Kommunikation, besonders das Spüren der göttlichen Energie, leichter. Alles-was-Ist ist damit gegenwertig in Allem und dementsprechend auch in jedem winzigen Teil seiner Schöpfung.

Begriffe: Voll- und Teilseelen

Genau genommen sind die Begriffe Voll- und Teilseelen etwas irreführend. „Alles-was-Ist durchdringt mit seiner Energie das gesamte Universum, also Alles was existiert. Er ist gegenwärtig bis in die letzte Zelle. Alles ist demzufolge göttlich und war und ist nie getrennt vom Ganzen. Von Anteilen zu sprechen, ist an dieser Stelle unpassend und erst recht nicht lassen sich die „Teile“ quantifizieren, wie 1%, die Hälfte oder sonst in einer Zahl ausdrücken lassen.
Im Folgenden verwende ich trotzdem die Begriffe „ein Teil von Gott“, da sich dadurch Einiges leichter beschreiben lässt.

Unendliche Kreativität und Selbsterfahrung

Gott will sich immerfort sich selber erfahren und sich selber erleben. Die gesammelten und "gewünschten" Erfahrungen müssen alle Facetten des Möglichen enthalten, also immer beide Seiten einer Medaille, d. h. das Duale, die Gegensätze mit der gesamten Bandbreite von Licht und Schatten. Auf der Erde haben wir die Gelegenheit den Schatten zu erzeugen und gemeinsam mit dem Licht die Dualität zu verstehen. Das sind aber keine begrenzten Gegenden im physikalischen Sinn, sondern die Schattenbereiche „leben“ nur in unserer Vorstellung und zwar so weit, wie wir Menschen diese in uns selbst zulassen.
In letzter Konsequenz ist dieses Wollen der permanenten Erfahrungssammlung auch in uns Menschen vorhanden, da wir ja ein Teil von Alles-was-Ist sind. Wir kommen aus dem Licht und sind hier auf der Erde, um die göttliche Kreativität und damit unsere eigene, primär die unserer Seelen, zu vergrößern. Nur wer von allen Blickwinkeln ein Thema mit dem Herzen beleuchtet hat, kann diese urteilslos in sich vereinigen und sein Bewusstsein weiter erhellen und erweitern. Zugleich sollen - besser gesagt wollen - wir erfahren, dass wir die Dinge nicht nur vordergründig, sondern das was im Hintergrund wirklich abläuft, erkennen. D. h. den eigentlichen Sinn zu verstehen und uns nicht blenden zu lassen.
Dies gelingt aber nicht mit unserem Verstand, sondern nur mit unserem Herzen. Mit dem Herzen sehen, heißt die reine, bedingungslose Liebe einzusetzen, Vorurteile abzubauen und damit Zerrbilder erkennen zu können.Den Auftrag hierzu geben wir uns letztendlich selber.
Da wir Menschen immer gerne in Stufen, also Hierarchien denken, ist das Modell der Vollseelen und Teilseelen recht hilfreich, um das Thema „für was ist ein Erdenleben gut?“ leichter verstehen zu können.
Für uns Menschen zeigt sich aber sehr schnell ein Widerspruch über die Aufgaben der Teilseelen, wenn wir unsere Erden-Logik ansetzen. Einerseits sollen wir unseren eigenen Auftrag aus dem Jenseits erfüllen, auch wenn dieser mit Negativen verbunden ist und andererseits berechtigt es uns - zumindest nach unserem Empfinden - nicht das „Böse“ auszuleben. Wir haben eine gewisse Bandbreite, in der wir uns selbständig entscheidend bewegen können. Wie groß diese Bandbreite ist und inwieweit beide Gegensätze der Dualität darin erlaubt sind, weiß ich nicht. In diversen Literaturen und Foren wird heftig und konträr darüber geschrieben.

Wichtig ist zu erkennen, dass wir alle gleich sind und alle das gleiche göttliche Wissen innehaben und dies in Liebe anwenden sollten - und das Gott, das gesamte Universum nicht betraft.

Nun ist unsere scheinbare Realität nur eine von vielen. Sie ist immer von uns selbst geschaffen. Wir sind die ureigenen Schöpfer unserer vermeintlichen Wirklichkeit. Erschwerend kommt hinzu, dass wir hier auf der Erde nur einen winzigen Ausschnitt sehen, von dem was im Universum alles existiert und geschieht. Schon aus dieser Sicht wäre es fatal und anmaßend, das Nachfolgende, bezogen auf die Rolle der Voll- und Teilseelen mit „so ist es und nicht anders“, zu bezeichnen. Deshalb ist es ein Gedankenmodell und erst recht nicht als die absolute Wahrheit anzusehen.

Meine Frau Gabriele arbeitet seit  Jahren intensiv mit Themenbereichen, die sich zwischen Himmel und Erde abspielen. Hierzu gehören Engelskontakte, Engelsseminare und „Coaching mit Hilfe von Engeln“ sowie ihre Arbeit als Reiki-Lehrerin (seit 1994).
Des Weiteren bieten wir gemeinsam das Analytische Synergetik Coaching und Psychobionik-Profiling an. In den Sitzungen legen wir großen Wert auf die Berücksichtigung und das Einbinden von Gefühlen und Emotionen. Denn überwiegend steuern die Gefühle unser Leben und bestimmen damit auch unser geistiges und seelisches Wohlbefinden und nicht die Logik und erst recht nicht, das was die Gesellschaft als scheinbare Logik definiert hat. (siehe hierzu: www.wolfgangoberbauer.de und www.synergetikmuenchen.de ).

Die Themen über die Dualität und Gefühle sowie alles das, was Kinder in diese Welt mitbringen und wie sie auf Erden von ihrer Umgebung geprägt und fremdgesteuert werden, kommen überwiegend aus unserer täglichen  Arbeit.
Es sei jedem Leser selbst überlassen, zu beurteilen, ob das Anschließende nur auf Theorien basiert oder doch ein Großteil mit nachvollziehbaren Erlebnissen bzw. Erkenntnissen untermauert ist.

Aus er Sicht der Voll- und Teilseelen


Was sind Voll- und Teilseelen?

Alles Existierende hat ein Bewusstsein, egal ob im weiten Universum oder hier auf der Erde. Bewusstsein ist reine Energie und demzufolge sind die Wesen im Jenseits reine Energieformen. Sie haben keinen Körper und sehen nicht so aus, wie Gott oder Engeln in Bildern dargestellt sind.  
Eine Vollseele bzw. Gesamtseele ist unser „Höheres Selbst“ und dementsprechend auch  reine Energie.
Nicht jede Vollseele hat das gleiche Bewusstsein. Deshalb liegt ihr Hauptaugenmerk darauf Erfahrungen zu sammeln und ihr Bewusstsein dementsprechend zu steigern. Den besten Einblick bekommt man über ein Thema, wenn man beide Seiten einer Medaille, also das Gegensätzliche erleben kann. Im Jenseits gibt es aber das Duale im Allgemeinen nicht. Unsere Erde ist einer der wenigen Planeten, wenn nicht sogar der Einzige, auf denen das Duale existiert und an dem geübt werden kann. Deshalb „schickt“ die Vollseele Teilaspekte von sich auf die Erde, um dort die Dualität zu erfahren, mit dem Ziel, ihr Bewusstsein erweitern zu können. Unter anderem ist dies auch der Grund, weshalb die Erde in unserem Universum von anderen Wesen als etwas ganz besonderes angesehen wird.
Wobei es für das Modell „Teilaspekte“ mehrere Theorien gibt. Bei der einen Theorie hat die Vollseele ca. 2500 Teilenergien und kann sich jederzeit mit diesen Energien verschmelzen und auch welche „abspalten“.
Eine andere Theorie sieht keine Trennung zwischen der Vollseele  und Teilseele in unserem Sinne. Die Teilseele ist danach ein Seelenfokus der Vollseele. Die Vollseele richtet ihren Blick auf vielfältige „Situationen“, die sie erfahren möchte. Die Vollseele empfindet den Erdenaufenthalt mit ihrem Seelenfokus wie in einen Traum und gleichzeitig erlebt sich der Fokus, also der Teilaspekt, selbst. Demzufolge sind wir hier auf der Erde nicht wirklich real, sondern nur ein Traum oder eine Illusion unserer Vollseele.
Wir können uns das so vorstellen, wir liegen im Wohnzimmer auf der Couch und träumen vor uns hin. Wir sehen uns vom Wohnzimmer aus, im Büro sitzen, ein bevorstehendes Streitgespräch mit dem Vorgesetzten durchgehen oder im Meer schwimmen und dabei erschaudern oder freudig erregt sein.
Je nach der gewählten Zielsetzung kann sich der Traum zu was Phantastischem oder auch zu einem Alptraum des Fokus hier auf Erden entwickeln.
Ich persönlich tendiere mehr zu der Fokus-Theorie, besonders da dies die These unterstützt, dass es keine substantielle Realität in unserem Sinne gibt.
Es ist für das prinzipielle Verständnis der Aufgaben der Voll- und Teilseelen aber unerheblich, welche Annahme man wählt. Das Anschließende lässt sich aus meiner Sicht leichter verstehen und erklären, wenn man von Teilseelen ausgeht. Im Hinterkopf sollte man aber die Fokus-Theorie sehr wohl abspeichern.

Für was ist ein Erdenleben gut?

Unsere Vollseele hat fortwährend den Willen nach spirituellen  neuen Erfahrungen, um noch bewusster zu werden. Eine Erfahrung ist die Dualität mit all ihren Facetten wie "Recht und Unrecht", "Richtig und Falsch", „Gut und Böse“, "Groß und Klein" und "Toleranz und Engstirnigkeit". Ein geeigneter Ort in unserem Kosmos ist zu diesem Zweck unsere Erde, ein Planet der Gegensätze.  Dazu "sendet" die Vollseele eine Teilseele, also eine Teilenergie von sich, auf die Erde. Die Teilenergie kann sich nach der Rückkehr für sich bestehen bleiben, aber auch komplett oder teilweise mit der Vollseele wieder verschmelzen. 

Die Teilseele ist demnach identisch mit der Energie der Vollseele und somit auch absolut identisch mit deren Erfahrungswünschen. Demzufolge gibt es auch keine höhere Instanz, die entscheidet, was „gelernt“ werden soll. Lernen heißt nicht, wertvoller oder edler zu werden, sondern den Erfahrungsschatz der Gesamtenergie und damit des Bewusstseins zu erweitern.

Je nachdem was die Gesamtseele, streng genommen " Alles-was-Ist", erfahren möchte, nimmt die Teilseele bestimmte Fähigkeiten und Charaktereigenschaften für den Lebensplan mit auf dem Weg. Ferner ist sie mit gewissen Filtern ausgestattet, um auftragsgemäß reagieren zu können. Diese Filter beruhen auf dem Gesetz der Resonanz (siehe hierzu http://resonanz.synergetikmuenchen.de).
Die Teilseele sucht sich auch genau das Umfeld z. B. Eltern, Bekannte, Ort und Beruf aus, um den Zweck des Erdenaufenthaltes auch erfüllen zu können.

Hier auf der materiellen Ebene kann die „abgesandte Teilseele“ alles aus der relativen Ebene betrachten und aus der Einheit in eine Welt der Polaritäten eintauchen. Um neue Erkenntnisse mit sämtlichen Aspekten - positive wie negative - zu erlangen, muss die Teilseele völlig unvoreingenommen an das gewählte Thema herangehen können. Dazu fokussiert sie sich auf das vorgegebene eng eingegrenzte Teilgebiet und "vergisst" für die Zeit des Erdenlebens ihr umfassendes Wissen. Ein Schleier des Vergessens wird auf sie gelegt, der immer dichter mit fortschreitendem Kleinkindesalter wird.

Auf der Erde lernt sie irdisch zu denken, d. h. dual zu denken, also ein „Erfahren der Gegensätze“  kennenzulernen. Aus der Sicht des Ursprungs gibt es aber keine Gegenpole, nicht Getrenntes,  keine "Schwäche - Stärke" und kein "Alt - Jung"  sowie kein „Hier - Da" und kein "Oben  - Unten". Der Ursprung enthält beides, da der eine Teil  nicht ohne dem anderen Teil existieren kann. Beide Teilstücke bilden außerhalb der Dualität eine Einheit - und diese Einheit ist neutral. Nach dem irdischen Tod, meist nach einem Zwischenaufenthalt  zur Aufarbeitung des Erfahrenen, kann sich die Teilseele wieder mit ihrer Vollseele vereinen oder einen Teile ihrer Energie abgeben und andere Energien aufnehmen oder auch in ihrem eigenen Energiepotential bleiben. Auf jeden Fall steuert sie zur Weiterentwicklung des gesamten Bewusstseins des „Höheren Selbst“ bei.

Etwas allgemein ausgedrückt, die Vollseele will all das kennenlernen, was sie nicht ist oder bisher nicht "gelernt" hat. Das kann sich solange wiederholen bis sie ihre selbst gestellte Aufgabe endlich erfahren hat. Deshalb ist die Annahme nicht ganz richtig, dass die inkarnierende Seele auf die Erde kommt, um irgendein Karma oder alte Sünden aus früheren Leben abzutragen. – Sie will einfach ihr eigenes gesetztes Ziel erreichen. Sie kommt aus der Einheit und besitzt keine Vorbelastungen im Sinne von Schuld und Sühne. Sie kommt aus dem Licht – und wer im Licht ist, ist völlig frei und schleppt keinen Ballast mit sich herum.

Dabei kommen nicht immer die gleiche Energie bzw. der gleiche Energieanteil auf die Erde zur Inkarnation. Es kann durchaus Vermischungen mit anderen Teilenergien von der gleichen Vollseele oder auch anderen Vollseelen geben.
Wird dieser Prozess x-mal durchlaufen, dann hat jede Teilseele das gesamte Wissen nicht nur von der Vollseele in sich, sondern über diesen Weg zusätzlich die Erfahrungen früherer Leben von anderen Teilseelen – im Endeffekt von deren Vollseelen -  in sich. Dies erklärt z. B. auch, weshalb gegenwärtig über gut hundert Frauen auf der Erde davon überzeugt sind, früher mal die Königin von Saba oder die Nofretete gewesen zu sein.

Die aktuelle Inkarnation ist selten der erste Aufenthalt auf der Erde. Die Teilenergien mit dem Wissen aus den unterschiedlichsten Vollseelen haben schon zahlreiche (Re-) Inkarnationen hinter sich. Allerdings liegt auch auf diesen „früheren Leben“ der „Schleier des Vergessens“.

Stellen wir uns vor, wir wüssten, dass wir zur Steinzeit in einer Höhle gelebt und bei den Inkas als Priester viele Menschenopfer angeordnet haben. Weiterhin waren wir auch an kleinen und großen Betrügereien beteiligt, haben irgendwo als Sklave dahinvegetiert und tragen einen Anteil von Ludwig XIV in uns. Vielleicht haben wir in einem anderen Leben einige Menschen getötet.

Mit welcher Last würden wir in das neue Leben gehen? Wäre denn das Leben noch zu ertragen, wenn all diese Erinnerungen in unserem Kopf gleichzeitig herumschwirren würden. Der Weg für die gesamte Brandbreite für psychische Probleme, wie Depressionen, Neurosen, Zwangs- und Posttraumatische Belastungsstörungen sowie auch die gesamte Palette der Persönlichkeitsstörungen wäre unweigerlich vorbereitet.

Viele von uns haben ja schon Probleme, mit Konflikten und Themen aus dem jetzigen Leben zurechtzukommen. Den Ballast aus den früheren Leben können wir nicht noch zusätzlich gebrauchen, wenn wir von der Pharmaindustrie und ähnlichen Institutionen absehen.  

Des Weiteren kann die Vollseele auch andere Teilaspekte im Sinne des Erlebens aussenden, z. B. als Pflanze oder Tier. Weitere Ziele können auch andere Planeten mit völlig als andersgearteten Lebensformen sein.

Weg zur Liebe

Das Universum ist auf der Basis der Liebe aufgebaut. Die Liebe ist das zentrale Element des universellen Bewusstseins, in der Bedeutung des uneingeschränkten, ausnahmslosen akzeptieren "Dessen was ist". Es kennt weder Schuld noch ein Verurteilen. Nur in der bedingungslosen Liebe gibt es den freien Willen. Die Gegensätze, das Helle und das Dunkel sind hier auf der Erde von uns selbst geschaffen. Nur hier auf der Erde - und vielleicht auch noch auf X anderen, uns unbekannten Planeten, gibt es den Zustand der Finsternis. Das Jenseits kennt nur Achtsamkeit, Freude und unendliche bedingungslose Liebe.

Bedingungslos bedeutet aber auch, das Gegenteil der Liebe anzunehmen. Hier hat die Vollseele mit der Teilseele ein breites Betätigungsfeld, um Erfahrung zu sammeln.  Dazu wählt sie die unterschiedlichsten Formen, dessen alles, was Liebe nicht ist, um im Endeffekt den Weg zurück zur Liebe zu finden und noch mehr zu manifestieren.

 – Und was sind die unterschiedlichsten Formen? – Es sind die Gefühle und Emotionen mit all ihren Facetten, ausgelöst durch wirkliches aber auch vermeintliches Glück, Neid, Intoleranz, Vorurteil, Unwissenheit, Sturheit, Selbstsucht, harte Schicksale, Finsternis und Trennung. Eingebleute Glaubenssätze und Dogmen setzen noch einen oben drauf, besonders wenn einem dadurch die Selbstverantwortung und das eigene Handeln abgenommen werden.  

Um all das zu erfahren, müssen wir uns auch in der Finsternis bewegen können. Nur wenn wir auch diesen Aspekt kennen, können wir erfahrenes Bewusstsein darüber zurückgeben. Es bringt nichts, heute unsere Energie „Teufel“ wegzudrücken, um wieder ein „Engel“ zu sein bzw. zu werden. Morgen ist der „Teufel“ mit noch größerer Energie wieder da.

Wesentlich sinnvoller ist es, ihn, diesen Schatten, anzunehmen und uns bewusst zu werden, dass er ein Teil von uns ist. Der Schatten bildet den Gegenpol und ist zwingend notwendig zur Aufhebung der Dualität. Nur wer diesen dunklen Teil kennt, kann auch damit umgehen. Abgesehen von der Erfahrung der Vollseele, ist es auch von Bedeutung auf der Erde das Negative kennenzulernen. Ein Kind, das nie einen Streit erlebt hat, da die Eltern diesen dem Kind immer die heile Welt vorgegaukelt hatten, kann dann mit Konfliktsituationen außerhalb des beschützen Kreises nur schwerlich zurechtkommen.

Der Teufel in uns berechtigt aber nicht zu Missgunst, Bosheit, Hass, Selbstsucht und Rücksichtslosigkeit. Aufgrund des Resonanzgesetzes und da Alles mit Allem verbunden ist, wirkt sich jedes Wort, jede Tat direkt auf uns selbst aus. (siehe hierzu: http://resonanz.synergetikmuenchen.de ) Erst wenn wir verstehen, dass wir alle aus der Einheit kommen, werden wir allmählich aufhören, permanent auf dem Ast zu sägen, auf dem wir sitzen und wenn wir "du" sagen, als ein "wir" erkennen.

Im Vordergrund steht, was der Auftrag für die Teilseele in der aktuellen Inkarnationsphase ist und nicht das, was wir hier - als die Menschen - erreichen wollen. Ist dies nicht im Einklang mit unseren Wünschen und Gebeten, werden diese auch nur selten wahrgenommen. In unserem Drang nach allem Möglichen vergessen wir das Grundprinzip des Universums - die Liebe

Selbstliebe - Liebe

Bei dem Begriff „Selbstliebe“ haben wir einige Vorbehalte. So sehr wir uns danach sehnen, geliebt zu werden, ist es oft schwierig uns selbst zu lieben. Wir verwechseln häufig Selbstliebe mit Arroganz, Egoismus, Überheblichkeit und Selbstverliebtheit bis hin zum Narzissmus.

Es gibt viele Menschen, die sich einreden, nur liebenswert zu sein, wenn sie bestimmte Wesenszüge haben, sich keine Fehler verzeihen, sich als unwichtig empfinden, es sich nicht geziemt, mehr als eine graue Maus zu sein, nur für andere - bis zum Ausnützen - da sein müssen und sich „glücklich sein“ für später aufheben.

Sich selbst zu lieben heißt sich selbst Wertschätzung entgegen zu bringen, sich selbst anzunehmen, seine Bedürfnisse und Wünsche auch zu verwirklichen, aus der Tretmühle rausspringen, ehrlich zu sich sein, nicht perfekt sein zu wollen, auf die Signale des Körpers hören und selbst das Leben in die Hand zunehmen, aber immer in der Form, anderen dabei nicht zu schaden und bei jeder Handlung auf seine Gefühle zu hören.

Etwas unorthodox ausgedrückt:
Wer mit sich selbst nicht klar kommt, sich selbst als minderwertig einstuft und ablehnt, wird auch Schwierigkeiten haben, mit anderen Menschen und dessen Umfeld klar zu kommen und zu lieben.

Warum gibt es denn nicht nur Gutes?

Eine umfassende Erfahrung über ein bestimmtes Thema gewinnt man am besten, wenn man dieses Thema von allen denkbaren Perspektiven betrachten und in die Rolle aller möglichen Beteiligten schlüpfen kann. Alle möglichen Beteiligten heißt, die Sicht aus völlig konträren Ansätzen kennenzulernen, also aus der Sicht des Opfers, aber auch aus der Sicht des Täters.

Hier spielen wieder die Gefühle eine maßgebliche Rolle. Die Vollseele möchte die Gefühle aller möglichen Beteiligten zu dem ausgesuchten Thema erfahren. Deshalb sind auch mehrere Inkarnationen ihrer Teilseelen hierfür notwendig, um einmal den Guten, den Bösen, den Lieben, den Unbarmherzigen, den Barmherzigen, den Leidenden, den Verlassenen, den Despoten usw. spielen zu können. Solange eine Teilseele ihre selbst gewählte Aufgabe auf Erden nicht "erfüllt" hat, wird sie immer wieder versuchen diese bei dem nächsten Erdenaufenthalt nachzuholen.

Wir treffen oft auf Situationen und Menschen, die uns ärgern, bei denen wir ausflippen könnten, die uns mental verletzen und bei deren Art innerlich Wut hochsteigt. Genau diese Themen zeigen uns, wie weit wir sind und wo wir stehen, mit unserer bedingungslosen Liebe.

Hat eine Teilseele sich die Aufgabe gestellt, mehr Frieden auf die Erde zu bringen, dann wird sie nicht dort landen, wo Eintracht ist, sondern wo Zwiespalt, Hass und Krieg herrscht. Nur hier kann die Seele erfahren, dass Feindschaft, Verbitterung und Töten nur noch mehr Elend und Leid, aufgrund des Resonanzgesetzes, nach sich ziehen.
Es kann mehrere Anläufe erfordern, um zu erkennen, dass Nachsicht, Großmut, Rücksicht auf Andersdenkende und Herzenswärme der einzige Weg ist, aus diesem Kreislauf heraus zu kommen. Und danach wird die Teilseele den Hass, die Intoleranz und bewaffnete Konfliktauseinandersetzungen von Grund auf verabscheuen und nicht mehr in dieses Umfeld kommen. Sie hat ihren Beitrag zur Erweiterung des Friedens, hier auf der Erde und des gesamten universellen Bewusstseins, geleistet. Andere Themen stehen für sie nun an.

Konfliktbewältigung und deren Begegnung mit Hilfe von Toleranz, Mut, Hingabe und „Denken mit dem Herzen“ muss nicht unbedingt auf der Ebene von „Kriegsspielen“ geschehen. Ein weites Übungsfeld findet man auch bei Partnerbeziehungen, im Bekanntenkreis, mit Kollegen, Vorgesetzten, den Mann auf der Straße und in der Schule.

Schon unter diesem Aspekt ist es einleuchtend, dass es sich bei der Rollenverteilung nicht um Strafe, Abarbeitung von früheren Schuldlasten oder Dergleichen handeln kann. Die Teilseele wird aber ihre selbst gewählte Aufgabe solange Erde üben, bis sie ihren Part gelernt hat. Dabei geht die Vollseele nicht gerade zimperlich mit der Auswahl ihrer Aufgaben um. Je mehr Erfahrung sie gesammelt hat, desto anspruchsvoller und umfangreicher werden die Inhalte ihrer gewählten Themen. Für die einzelne Teilseele, in der Rolle als Erdenmensch, behaftet mit dem Schleier des Vergessens, ist der Plan aber nicht durchschaubar.  Es fehlt ihm hier unten auf der  Erde, salopp ausdrückt, die „Intergalaktische Sicht“ und damit das Wissen über die übergeordneten Zusammenhänge.

Hat die Teilseele den Auftrag die "Ungeliebte zu sein", dann tut sie vieles dafür, damit sie nicht geliebt wird.

Ein Abenteuer im Bereich der Gefühle

Für die Teilseelen ist es wie ein Abenteuer, um gegensätzliche Gefühle kennen zu lernen. „Kennen zu lernen“ ist hier etwas der falsche Begriff. Es geht hier nicht ums „Lernen“. Es geht auch nicht darum, bessere Wesen zu werden und wenn das nicht gelingt, dann in die ewige Verdammnis gestoßen zu werden, nein, keinesfalls. Wir Teilseelen kommen bereits aus dem vollen Bewusstsein und sind machtvolle Wesen der Liebe. Wir sind auch nicht hier, um irgendwelche Vorsünden abzutragen und dafür Buße zu verrichten. Wir sind ein Teil der göttlichen Einheit, des gesamten Bewusstseins des Kosmos und haben diese nie wirklich verlassen. Wir kommen aus dem Licht. Aber wir haben uns für dieses Wagnis entschieden, verbunden mit dem Vergessen, wer wir wirklich sind, wo wir herkommen und wo wir wieder zurückgehen werden.
Auch müssen wir nicht inkarnieren. Wir wollen etwas Bestimmtes erfahren z. B. um unser Bewusstsein zu erweitern oder anderen Teilseelen zu helfen, damit sie ihre Rolle auf der Erde auch spielen können. Die Teilseele kommt auf die Erde aus freien Stücken. Sie hat sich für die Rolle in dem Skript frei entschieden. Wobei der Wille des Menschen, in dem die Teilseele dann "wohnt", nur einen bedingt freien Willen hat, da er sich an das Drehbuch zu halten hat. Seine Rolle darf dem Willen auch nicht bewusst sein, denn sonst würden sämtliche Handlungen und Reaktionen inkl. der breiten Palette von Emotionen nach den Vorgaben des Drehbuchs ablaufen. Der angestrebte „Erfahrungseffekt“ der Teilseele würde ad absurdum geführt werden.
Es gibt unzählige Wesen außerhalb unseres derzeitigen „Dunstkreises Erde“, die uns für diesen Sprung in die Dualität bewundern und über uns Erfahrung sammeln können. Nicht von ungefähr wird unsere Mutter Erde und den darauf lebenden Wesen als etwas ganz besonders in unserem Universum angesehen.

Man könnte den Sprung ins Ungewisse auch als eine Art Neugierde oder ein Erforschen der Dualität bezeichnen. Wobei der Schwerpunkt bei der Erforschung der Emotionen liegt, um diese in all ihren Facetten akzeptieren zu können und mit dem Ziel auch keine Bewertungen vorzunehmen. Also alles so anzunehmen wie es ist.
Nur wenn wir in der Lage sind Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Liebe und Hass gleichermaßen anzunehmen, können die Teilseelen, also wir, viel über die universelle Liebe erfahren. Dazu gehört auch, dasjenige anzunehmen, das wir bisher verabscheut haben. Alles ist ein Teil des umfangreichen „Dualitäten-Spiels“.

Hier gibt es einen teilweise schwerverständlichen Widerspruch. Der Erdenmensch soll unabhängig von seiner Rolle erkennen, dass der einzige Weg zur göttlichen Einheit nur über die bedingungslose Liebe führt. Wenn er dieses, trotz seiner gewählten, nach unserer Definition, negativen Rolle, geschafft hat, hat er seinen Part komplett „erledigt“. Deshalb ist dabei eines der größten Hürden im Vorfeld, sich selbst vorbehaltlos anzunehmen und zu lieben. Erst dann klappt es auch wirklich mit der Herzensliebe gegenüber seinen Mitmenschen und dem Umfeld.

Mit dieser Erfahrung des bedingungslosen Akzeptierens der scheinbaren Gegensätze, also im Status der universellen wahren Liebe, erhöht sich zwangsläufig die Eigenschwingung und eine Art weitere Energie wird angestoßen. Es ist die Energie der Wandlung. Die ständig wiederkehrende Transformation für das Bewusstseinswachstum rückt damit wieder näher. Anders ausgedrückt, die Teilseelen - und damit sind wir alle gemeint -  müssen sich nicht als spirituelle oder religiöse Eiferer profilieren, auch nicht Askese betreiben, sondern nur im Bewusstsein der Liebe sein.

Leider klappt das nicht so einfach mit dem „im Bewusstsein der Liebe“

Die Emotionen, besonders die negativen, erschweren uns hier auf der Erde in den „absoluten Zustand der Liebe“ zu kommen, sich von der einseitigen Sichtweise zu befreien. Immer wenn negative Gefühle hochkommen, wir uns in unseren eigenen Empfindungen verstricken oder auf prekäre Situationen treffen, sollten wir uns kurz zurücknehmen, zuschauen was passiert und keinerlei Wertungen abgeben. Wenn uns auch noch bewusst ist, dass die aktuelle Situation genau deshalb da ist, um die eigens auferlegte Erfahrung zu machen, dann sind wir dem Schritt zur absoluten Liebe wieder näher gekommen.

Eine unbestrittene Tatsache ist, dass Gefühle eine direkte Auswirkung auf unseren Körper, Geist und Seele haben. Gefühle sind eine Energiequelle mit der wir ständig – oft achtlos - umgehen und diese benutzen, uns selbst und andere zu „manipulieren“. Es sei dahingestellt, ob wir diese Energie bewusst und auch unbewusst einsetzen. Diese Energien haben keinen natürlichen Filter und breiten sich in Form von Schwingungen in allen Richtungen aus. Treffen diese „Emotionalschwingungen“ auf Energien mit gleicher Frequenz, treten diese mit dieser in Resonanz und werden sogar noch verstärkt zum Aussendenden zurückgeschickt (siehe hierzu http://resonanz.synergetikmuenchen.de).
Wenn wir diese Energie erst „im Bewusstsein der Liebe“ anwenden, werden wir erstaunt sein, welche Kraft sich in uns daraus entwickeln kann. Jedes Mal, wenn wir diese Energie auf der Basis der Liebe gebrauchen,  ändert sich auch unsere Sicht auf unser Umfeld. Die Folge davon ist, wir erhöhen unsere eigene Frequenz. – Und manchmal wundern wir uns, weshalb sich unser Freundeskreis ändert. Die Schwingung derer passt nicht mehr mit unserer überein.
Diese Liebe kommt aber nicht aus dem Verstand, also aus der Hirngegend, sondern aus dem Herzen. Die Herzenergie ist die stärkste Energie, die der Mensch aussenden kann. Sie ist über 200x stärker, als die Energie, die durch Gedankenimpulse erzeugt wird. Und die Liebe, aus dem Herzen, ist echt. Das was manchmal der Verstand meint zu wissen und auch aussendet, muss nicht mit dem, was das Herz fühlt, identisch sein.

Der Verstand ist eine Art Speicher für verschiedene Möglichkeiten, auf die der Verstand zurückgreifen sollte, um das Alltagsgeschehen in Augenschein zu nehmen, aber die Entscheidungen immer mehr dem Herzen überlassen.

nach dem Tod - endlich alles weniger mühseelig

Mit dem Tod ist nur der Körper weg. Die Gefühle, das Denken und die Ansichten des Menschen „leben“ bis auf weiteres in der Seele weiter. Das können Rücksichtlosigkeit, Verbitterung, Neid, Hass, Egoismus, aber auch Verzeihung, Nachsichtigkeit und Liebe sein. Die Mühen haben wir uns selbst ausgesucht, da wir auch daran wachsen sollen und möchten. Je mehr wir uns entwickeln, desto bedeutungsloser sind Dinge und Anschauungen, die uns hier auf Erden und auch im Jenseits nicht weiterbringen.

Wenn unserer Meinung nach hier im mentalen Sinne etwas schief läuft, dann müssen wir jetzt etwas ändern und nicht auf das Jenseits warten. Wir nehmen genau diese Probleme mit – und dann müssen wir sie eben dort lösen.

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Transformation – ein fortwährendes Fließen

Die Transformation, im Sinne des universellen Gesetzes, bewirkt Wandel und Entfaltung sowie Weite und Größe. Transformation beinhaltet auch ein Verändern, Umwandeln, Verbessern und neues Gestalten. Es gibt im Universum nichts ewig Bestehendes – alles ist im Wandel und Fluss. Ein Festhalten an Bestehendem widerspricht der göttlichen Gestaltungskraft und hat nur Stillstand zur Folge.
Eine der uns bekanntesten und oft am meisten abgelehnten Transformationen ist der Tod. Es ist aber gleichzeitig eine „Geburt im Jenseits“. Mit dem umgekehrten Vorgang einer Geburt hier auf der Erde haben wir keinerlei Probleme. Für uns ist diese Geburt etwas völlig Normales, also etwas völlig Natürliches, auf das wir uns freuen.

Ständiges Hosianna singen

Jede Vollseele ist ein individuelles Wesen. Da sie das volle Bewusstsein hat, ist sie jedoch wesentlich näher an der vollkommenen, bedingungslosen Liebe. Jede Seele und damit auch jede Vollseele haben unterschiedliche Erkenntnisse aus ihren Erfahrungen aus den vielen Inkarnationen mitbekommen und sind dementsprechend geprägt. Zusätzlich ist sicherlich deren Fokus, also was sie erfahren wollten und noch möchten, auch abweichend von anderen Vollseelen.
Dementsprechend singen sie nicht nur ständig Hosianna, sondern können sich sehr wohl in ihrer Mentalität unterscheiden. Die einen sind lustiger, die anderen ernster oder auch etwas grantiger.

Auf Erden


Die Trennung

Kinder im 1. Lebensjahr sind noch eins mit sich selbst und dem äußeren Umfeld. Alles was erfahren wird, wird als Teil von sich selbst erfahren. Sie kennen keine Grenze zwischen "Dir und Mir", sowie "Innen und Außen".  Die Säuglinge haben ein Urvertrauen mitgebracht. Da sie aus der Einheit kommen, ist ihnen alles, was nach Dualität aussieht, fremd.

Die Kleinkinder sehen sich als Teil von Mutter oder Vater, bis zum Augenblick, wo diese nicht sofort präsent sind, wenn es ihnen danach ist und auch noch das erste "Nein" kommt. Im Kind entsteht zum ersten Mal ein Gefühl der Trennung zwischen dem Umfeld und seiner selbst.
In diesem Zeitraum verändert sich auch sein mitgegebenes Urvertrauen. Es "lernt", dass es Personen und Situationen gibt, die anders reagieren, als es erwartet. In diesem Kontext, lernt es auch, dass es Menschen und Konstellationen gibt, denen es nicht (immer) vertrauen kann.

Das Urvertrauen baut sich zusehends ab und im Gegenzug baut sich die Trennung scheinbar immer mehr und mehr, bis ins Alter von ca. 5 Jahren, auf. Der Schleier des Wissens wird kontinuierlich dichter und das Bewusstsein, dass es aus der Einheit mitgenommen hat, verschwindet vollends. Auch das Bewusstsein, dass es aus der Einheit kommt und dementsprechend nie aus der Einheit herausfallen wird, ist ebenfalls weg.

Entscheidend ist in den ersten Lebensjahren, wie der Übergang vom Urvertrauen zur Trennung vor sich geht. Ist dies ein langsamer, kontinuierlicher Vorgang, erfährt das Kind den Wechsel mit Liebe oder geschieht das in abrupten Phasen. Wird es herzlich auf der Erde empfangen, wird dem Neuankömmling Wärme, Schutz und Geborgenheit entgegengebracht und stimmt die Eltern-Kind-Beziehung oder ist er unerwünscht, wird er feindselig behandelt oder vernachlässigt? Vielleicht erlebt er in dieser so wichtigen Phase eine Scheidung der Eltern oder es stirbt sogar eine wichtige Bezugsperson.

Grundstein für die Zukunft

Abhängig von all diesen Erfahrungen, wird der Grundstein für seine Zukunft gelegt. Sind die Erlebnisse positiv gewesen, dann zeigt sich das im ganzen Leben durch Selbstvertrauen, Optimismus, Handlungskompetenz,  Kontaktfreude, Gefühlswärme und „das Glas ist immer halb voll“. Kurzum der neue Erdenbürger wurde von seinem unmittelbaren Umfeld vorbereitet, der Regisseur seines Lebens zu sein.

Sind die Erlebnisse negativ gewesen, dann geht er unsicher und zaghaft an die Dinge ran, überlässt Entscheidungen lieber anderen und „das Glas ist fast immer halbleer“. Aufgrund seiner Mangelerfahrungen in der frühen Kindheit können sich Kontaktschwierigkeiten, Hoffnungslosigkeit, Zwänge oder  sogar Depressionen, Ängste, Neurosen und Persönlichkeitsstörungen ausbilden.

Dieser junge Erdenbürger sieht die Welt nur aus der pessimistischen Brille und alles um ihn herum ist so schlimm und so arg. Er hat kein Vertrauen, weder zu sich selbst, noch zu anderen und auch nicht in die Zukunft. Das Leben ist für ihn hart und stückweise ein Leidensprozess.
Der andere neue Erdenbürger erlebt in ähnlichen Situationen sein Leben und seine Umwelt als wesentlich positiver. Er fühlt sich geliebt, frei und freut sich auf das Leben das vor ihm liegt.

Das heißt, im Endeffekt übertragen sich - seit Geburt an – die Verhaltensmuster, Lebensanschauungen und Denkweisen von unserem unmittelbaren Personenkreis auf uns alle. Wobei auch Dritte kräftigen Einfluss haben können. Die daraus resultierenden Erfahrungen wirken sich voll auf unser gesamtes Handeln und Denken aus. Wir sind nicht wirklich „das Wesen“, das da auf die Erde gekommen ist. Wir sind ein Teil Mama, ein Teil Papa, ein Teil Opa, ein Teil Oma, ein Teil Bruder und vielleicht noch ein Teil Nachbar. Später mischt sich noch ein Teil Schule und noch einiges darauf. Abhängig davon welche Qualitäten diese „Anteile“ mit gegeben haben, wird das Kind ständig geformt.

Dabei zählt nur das, was bei ihm unbewusst angekommen ist und in seinem Hirn abgespeichert wurde, nicht das was im Außen wirklich geschehen ist. Fast alles, was empfangen und ausgesendet wird, passiert auf der Gefühlsebene, also über die emotionale rechte Gehirnhälfte.

Bewusstsein, Gefühle, Gedanken        

Gefühle sind auch das erste, was der neue Erdenbürger mitbekommt und meist in abgewandelter Form wieder ins Jenseits mitnimmt. Da er aus der Einheit kommt und nicht unterscheiden kann zwischen „dir und mir“ ist die Mutter ein Teil von ihm. Alle Gefühle, die die Mutter bereits während der Schwangerschaft entwickelt haben einen direkten Einfluss auf ihn.  Ist die Mutter traurig oder ängstlich, dann überträgt sich dies auf ihn. Freude und Glück der Mutter wirken sich ebenso auf ihn aus. Gleiches gilt für Wut, Ablehnung, Hass und Liebe. Hat z. B. die Mutter eine Abneigung gegen den Vater ihres Kindes übernimmt dies das Kind automatisch.

Die Gefühle und Emotionen begleiten uns das ganze Leben. In allen Lebenslagen wirken diese auf  uns ein und bestimmen permanent unser Verhalten von der ganzen Bandbreite von Überreaktion bis zur Handlungsunfähigkeit. Merkwürdigerweise haben aber die Gefühle und Emotionen keinen Platz in unserer Gesellschaft.

Der Sinn „Gefühl“ wird weder gelehrt, geübt, noch wird er von unserer heutigen westlichen Welt als besonders wichtig für unsere Entwicklung als eigenständiges Wesen angesehen. Weder im Kindergarten, noch in der Schule und erst recht nicht im Berufsleben gibt es irgendwo einen Platz für Gefühle. In fast allen unseren Köpfen wurde eine Barriere von unserem Umfeld installiert. Wir dürfen uns keine "negativen" Emotionen gestatten und lernen damit auch nicht, mit diesen umzugehen. Selbst die „positiven“ Emotionen sind nur bei bestimmen Gelegenheiten angebracht.

Systematisch werden wir darauf getrimmt den Kontakt zu uns selber zu verlieren und wundern uns, wenn Verhaltensauffälligkeiten, Neurosen oder sogar Persönlichkeitsstörungen entstehen. Es wird uns nicht gelehrt, uns „selbst“ bewusst zu sein, also zu wissen, dass wir Eigentümer unseres Bewusstsein sind.

Ab dem Moment, wo wir unseren Fokus mehr auf unser eigenes Bewusstsein richten, ändern sich unsere Sinneswahrnehmungen, unsere Denk- und Gefühlsabläufe. Plötzlich sehen, hören und empfinden wir unser Umfeld anders. Unsere eigene produzierte Sicht auf die Welt wandelt sich.

Unser Verhalten und die Vollseele

Was hat aber das Verhalten des Einzelnen mit dem Wunsch nach Erfahrungen der Vollseele zu tun?
Die Vollseele möchte nun in einem Experiment erfahren, wie das ist, immer wieder von verschiedenen Seiten in den unterschiedlichsten Situationen allein gelassen zu werden, also eine Isolierung von der Einheit zu erleben.

Das Leben meiner Tante Hedwig ist hierfür ein passendes Beispiel. Was Hedwig auf der Erde erlebt hat, entspricht den Tatsachen, zumindest den Tatsachen, wie sich diese für mich, mit meinem einengten Blickwinkel darstellen. Die Gründe und die notwendigen Vereinbarungen dazu von den beteiligten Vollseelen mit ihren einzelnen Teilseelen könnten so oder so ähnlich gewesen sein.

In der folgenden Darstellung geht es nur darum, zu verstehen, wieso manche Dinge bei uns auf der Erde so eigenartig laufen und wir oft Probleme damit haben, dass „Gott“ da oben so viel scheinbar Ungerechtes zulässt. Einige Religionen sehen den einmaligen Aufenthalt auf unserer Erde entscheidend für die gesamte Zukunft, also für die Ewigkeit. Die Ewigkeit ist unendlich. 100 Billionen von Jahren oder eine Zahl mit 1.000 Nullen sind immer noch zu wenig, um sie zu beschreiben.

In diesem winzigen Bruchteil des Erdenlebens - bezogen auf die Unendlichkeit unseres zukünftigen Daseins - legen wir unsere künftige Existenz für immer fest, entweder ewige Verbannung in der Finsternis oder einen fortwährenden Fensterplatz im Himmel. Auf dieser Basis fällt es dann schon schwer, an einen gerechten Gott zu glauben und einige Glaubensrichtungen vollends ernst zu nehmen.

Es gibt Naturvölker, die von den großen Religionen und den zukunftsbestimmenden Aufenthalt für die Ewigkeit auf der Erde überhaupt nichts gehört haben. Sie leben aber im Einklang mit der Natur, tun keinem Menschen irgendetwas zu leide -  und trotzdem liegen diese dann alle falsch. Ihr einziges „Verbrechen“ ist, am falschen Ort der Erde geboren zu sein.

Skizzieren eines Auftrages einer Teilseele hier auf Erden


Der Auftrag

Meine Tante Hedwig ist eine sehr liebenswerte Person. Sie geht jedem Streit aus dem Weg und wenn sie nur im entferntesten Missbehagen bei einem ihrer Mitmenschen vermutet, schaltet sie sofort mindestens zwei Gänge zurück.  Ebenso habe ich noch nie erlebt, dass sie irgendetwas zum Nachteil Dritter gemacht hat. Im Gegenteil, der Nachteil war immer auf ihrer Seite.

Jetzt kann aber die Teilseele Hedwig nicht alleine den Wunsch der Vollseele und damit auch sich selbst nicht erfüllen. Dazu braucht sie Helfer. Dazu wird nun eine Art Drehbuch mit gewissen Eckdaten „geschrieben“ und „Schauspieler“ dazu engagiert. Ein Teil der  Schauspieler kommt aus der gleichen Vollseele und weitere Teilseelen-Akteure kommen von anderen Vollseelen. Es wird also ein Ensemble für die bevorstehende  Inszenierung zusammengestellt.

Wobei sich Wünsche der jeweiligen Vollseelen ergänzen bzw. überschneiden können. Vielleicht möchte eine Vollseele Erfahrung darüber sammeln, ständig Dritte vor den Kopf zu stoßen, diese auszunützen, ihnen Gefühle vorzugaukeln und dann diese allein zu lassen. Dazu schickt sie ihre Teilseele genau mit diesem Auftrag in das bevorstehende  „Theaterspiel“. Den Teil „diese allein zu lassen“ hätte sie damit erfüllt. Damit ist beiden geholfen.
In dem ganzen Stück treten viele Abgesandte der verschiedenen Vollseelen auf, die teilweise wiederum etwas erfahren sollten. Wobei jeder Teilnehmer sich in dem Rahmen der Eckdaten bewegen kann und darin seine eigene Entscheidungsfreiheit hat. Sollte er vollkommen aus dem Ruder laufen, greift sein Schutzengel/Guide korrigierend ein. Manche Teilseelen haben nur einen kurzen Nebenauftritt in dem Stück meiner Tante. Sie sind möglicherweise Hauptakteure in ganz anderen „Filmen“ oder haben nur einen flüchtigen Aufenthalt auf unserer Erde, um etwas ganz Bestimmtes erledigen zu können.

Die Begriffe Schutzengel/Guide erläutere ich hier etwas. Der Schutzengel vermittelt den Eindruck, dass dieser seinen „Schutzbefohlenen“ vor Unglück und Missgeschick beschützt. Das kann der Schutzengel nur, wenn dies im Rahmen des Drehbuchs möglich ist. Ist z. B. in dem Skript ein Unfall mit Todesfolge vorgesehen, darf der Schutzengel nicht eingreifen. Deshalb ist der engl. Begriff Guide (hier: geistiger Führer) etwas zutreffender. Mir persönlich gefällt das Wort „Schutzengel“, wobei ich im Hinterkopf den Begriff „geistiger Führer“ abgespeichert habe.

Schauen wir uns das Stück mit dem Titel „Allein gelassen und Isolierung von der Einheit“ gemeinsam an. Wobei die Haupt-Theaterakte nur kurz beschrieben werden. Es geht darum, den roten Faden zu erkennen.

Meine Tante, heute 85 Jahre alt, sollte vermutlich als Teilseele erfahren„Allein gelassen zu werden und scheinbar isoliert von der Einheit zu sein“. Zumindest kann man dieses Grundthema, wie einen roten Faden durch ihr gesamtes Leben verfolgen.

Drehbuchanweisung: Wer könnte das bereits besser bei der Geburt, als ihre Eltern. Also mussten diese parallel neben anderen Teilnehmern des Spiels als erstes auf die Erde geschickt werden. Die Mutter der Mutter von Hedwig, also ihre Oma, wurde vielleicht schon früher mit dem Auftrag auf die Erde geschickt oder möglicherweise einfach dazu auserkoren noch an dem Spiel neben einer anderen Rolle teilzunehmen.

Erster Akt – sofort allein gelassen:

Mit knapp 20 Jahren brachte die Mutter  ihre Tochter Hedwig zur Welt und schob sie sofort zu ihrer Mutter, also der Oma von Hedwig, ab.
Die Beziehung zum Erzeuger war schon vorher in die Brüche gegangen. Die 20-jährige Mutter betrachtete Hedwig als Fehltritt und im Grunde genommen war ihr das Neugeborene lästig. Die Oma hatte einen kleinen Bauernhof im Allgäuer Raum.

Hedwigs leiblicher Vater kannte wohl die Vaterschaft an, aber damit war das Thema für ihn im Großen und Ganzen beendet. Hedwig bekam zu Weihnachten und  Ostern eine Postkarte von ihm. Hin und wieder ließ er sich kurz auf dem Bauernhof bei ihr blicken. Nach ihrem 11. Geburtstag stellte er seine Besuche komplett ein.
Die Mutter zog kurz nach der Geburt nach München um und schaute ein-  bis zweimal im Jahr bei ihrer Tochter vorbei.
Die Oma bewirtschaftete alleine den Bauernhof. Ihr Mann war bereits gestorben. Die Oma zog Hedwig mit Liebe auf, gab ihr Geborgenheit und Nähe. Allerdings schwang auch eine gewisse Strenge mit. So wie in Bayern früher oft üblich, zählte hauptsächlich das, was der Pfarrer am Sonntag von der Kanzel verkündete, gepaart mit dem, was der Lehrer in der Schule von sich gab.

Drehbuchanweisung: Aus unserer Erdensicht waren die Eltern extreme „Rabeneltern“. Beide haben das Neugeborene allein gelassen. Welche irdischen Gründe nun wirklich dahinter waren, lassen wir offen. Vielleicht hätten sie anders gehandelt, wenn sie nicht so jung und damit vermutlich überfordert gewesen wären. Dann hätte aber der Kontext nicht mehr gepasst.
Die Überforderung war vom Skript her notwendig und nur so konnten sie im Sinne der Vollseelen handeln und Hedwig helfen, ihre Aufgabe von der Vollseele „Allein gelassen und Isolierung von der Einheit“ zu erfüllen.
Die Geborgenheit bei der Oma war notwendig, damit Hedwig die nächste Trennung auch als solche empfinden konnte. Ohne die Liebe und die Nähe zu kennen, hätte sie diese Eigenschaften auch nicht wirklich später vermissen können.

Zweiter Akt – allein gelassen zum 2. Mal:

Hedwigs Kind- und Jugendzeit verlief ohne besondere Aufregungen. Mit 15 Jahren bekam sie eine Lehrstelle als Schneiderin in der nächstgelegenen Kleinstadt. In der Schneiderei lernte sie eine etwas ältere Auszubildende kennen und freundete sich mit ihr an.
Die tägliche Hin- und Herfahrerei mit Fahrrad und Bus zwischen Arbeitsstelle und Bauernhof war sehr beschwerlich und zeitaufwendig. Gab es viel Schnee, musste sie das Fahrrad stehen lassen und den Weg zu Fuß bewältigen.

Besser wurde es, als sie knapp 2 Jahre später bei der Freundin aus der Schneiderei unter der Woche übernachten durfte. Das Zimmer, das sie nun zu zweit bewohnten, war sehr klein und karg eingerichtet. Es hatte keine Heizung und im Winter bildete sich oft Eis an den Innenwänden. Das war Hedwig aber egal. Endlich hatte sie eine Person, der sie ihre Jungmädchenträume anvertrauen und erzählen konnte. - Und sie war nicht ständig unter der Aufsicht der Oma.

Ihre Oma hatte fortwährend Bedenken, dass sie in die gleichen Fußstapfen ihrer Mutter treten und eines Tages mit einem dicken Bauch nach Hause kommen könnte. Jedes Mal, wenn Hedwig am Wochenanfang in die Stadt fuhr, ermahnte sie Hedwig: „Lass dich ja nicht mit Männern ein  – die wollen nur das Eine“. Was das „Eine“ sein könnte, durfte damals nicht offen ausgesprochen werden.

Bald hatte ihre Freundin einen Freund. Plötzlich hatte ihre Freundin keine Zeit mehr für sie und immer wenn der Freund zu Besuch war, musste Hedwig stundenlang spazieren gehen. – Hedwig war wieder allein.

Dritter Akt – Krankheit und wieder alleine:

Hedwig war von Kind an bescheiden. Sie stellte sich meist selbst in den Schatten und ließ anderen den Vortritt.  Während des 2. Weltkrieges und auch Jahre danach mussten die Leute für sich selbst sorgen und organisieren, damit sie etwas zum beißen hatten.  Hedwig zog aufgrund ihres Naturells meist den Kürzeren und war dementsprechend unterernährt.

Die Folge davon war, dass sie im Winter 1948/49 offene Lungentuberkulose bekam. Da es damals keine wirklich schnell wirksamen Medikamente gab, fiel auch noch ein Lungenflügel in sich zusammen. Der betroffene Lungenflügel musste durch einen chirurgischen Eingriff teilweise entfernt werden. Die Operation war extrem schmerzhaft. Die OP brachte auch nicht den gewünschten Erfolg und Hedwig musste bis Ende 1951 in dem Sanatorium bleiben. Besuch hatte sie während der Zeit fast keinen – weder von ihrer Mutter, Vater, Oma oder sonst Irgendwem. – Hedwig war in dieser extremen schweren Zeit, verbunden mit körperlichen und seelischen Schmerzen, wieder allein.

Einige Monate, vor dem Ende ihres Aufenthaltes, lernte sie Joseph kennen, der ebenfalls TBC hatte. Joseph war aber verheiratet und deshalb trennten sich ihre Wege. Ein paar Jahre später fuhr sie völlig allein und mittellos nach München und fand dort eine Stelle als Schneiderin. Freunde, Bekannte oder Verwandte, die sie irgendwie seelisch unterstützen hätten können, hatte sie anfangs keine.

Vierter Akt – Heirat:

Mitte der 60er Jahre traf sie wieder Joseph. Er war inzwischen geschieden. Er hatte 2 Kinder. Seine Tochter lebte bei seiner geschiedenen Frau und sein Sohn Manfred wohnte bei ihm im Haus.
Hedwig zog in das Haus von Joseph und bald darauf heirateten sie. Ihren Stiefsohn nahm sie, wie ihren eigenen Sohn an. – Es baute sich zwischen beiden ein sehr herzliches Vertrauensverhältnis auf.
Joseph war lange Zeit Lastwagenfahrer und entsprechend wenig zu Hause. Sie arbeitete als Schneiderin in einem Kaufhaus. Manfred war als 20 jähriger in seiner Sturm- und Drangzeit und dementsprechend ständig unterwegs. Meist am Wochenende sah sie ihren Mann und Manfred erschien oft erst zum Mittagessen. – Sie war genau genommen schon wieder häufig allein.
Ihre Ehe verlief ohne größere Höhepunkte. Sie lebten nach ihren Worten mehr nebeneinander als miteinander. Joseph war froh, wenn er nicht mit dem Lastwagen unterwegs sein musste. Deshalb verbrachte er seinen Urlaub immer zu Hause. Hier konnte er von dem ewigen „Unterwegssein“ abschalten. Wollte Hedwig ein paar Tage weg aus ihrem täglichen Dunstkreis, dann musste sie alleine mit dem Bus oder Zug fahren. Manchmal fuhr eine Arbeitskollegin mit. D. h. die schönste Zeit im Jahr musste sie wieder getrennt von Mann und Sohn verbringen.
Manfred hatte inzwischen geheiratet. Ein paar Jahre später wurde seine Ehe wieder geschieden. Die Trennung von seiner Frau setzte Manfred arg zu. Er entwickelte sich zu einem Workaholic und stieg in die Geschäftsleitung der Firma auf. Freizeit, Urlaub oder etwas was wie Freude gab es für ihn fast nicht mehr. Seine Arbeit, sein beruflicher Erfolg war seine Erfüllung und lenkte ihn von den quälenden Gedanken an seine Ex-Frau ab, die er immer noch liebte. Manfred hatte wahrscheinlich ein ähnliches Thema zu seiner Bewusstseinserweiterung wie seine Stiefmutter gewählt. Auch er kannte das "Alleingelassen“ recht gut.

Fünfter Akt – Tod des Ehemanns:

1998 starb Joseph völlig unerwartet, nach einer relativ harmlosen Operation. Er verblutete nachts innerlich. Jetzt konzentrierte sich Hedwig noch mehr auf ihren Stiefsohn. Er war nun der absolute Mittelpunkt ihres Lebens. Aufgrund seines Engagements in der Firma kam er aber meist nur kurz am Wochenende bei ihr zum Mittagessen vorbei.
Hedwig übertrug vorzeitig fast ihr gesamtes Vermögen und inkl. dem Haus ihrem Stiefsohn Manfred. 

Sechster Akt – Tod des Stiefsohnes Manfred:

Ende 2004 starb nach kurzer Krankheit auch Manfred. Für Hedwig brach eine Welt zusammen. Sie wurde zum x-ten Male wieder verlassen. Manfred hatte seine Aufgabe als Teilseele in diesem Stück nun auch erfüllt.

Siebter Akt – Bereicherung am Unglück:

Um Testamente und Erbschaften gibt es sehr häufig Streit.  Deshalb beschreibe ich das folgende Debakel um die Erbschaft meiner Tante ausführlicher, um die Theaterrollen besserer verstehen zu können.
In seinem Testament hatte Manfred festgelegt, dass seine Stiefmutter wieder das Haus und den Geldbetrag zurückbekam, den sie ihm ursprünglich schenkte. Jetzt schlug allerdings der Fiskus zu. Über zwanzig Prozent, bezogen auf Sach- und Wohnwerte ihres ursprünglich eigenen Vermögens, musste nun Hedwig an das Finanzamt bezahlen.

Antwort eines Finanzamtsmitarbeiters wegen Zahlungsprobleme mir gegenüber: „Wenn sie nicht bezahlen können, dann muss ihre Tante das Haus eben verkaufen“. – Kurz und knapp. Menschenschicksale zählen bei unserem Gesetzgeber nicht. Logik erst recht nicht. Da ein Stiefsohn nicht in der direkten Linie ist, hatte Manfred bereits viel Steuer bezahlt, als ihm seine Stiefmutter Hedwig ihr Haus überschrieb. D. h. innerhalb von ein paar Jahren kassierte der Staat um die 50% des Vermögenswertes. Auch diese Vorgehensweisen sind ein Teil des extrem verbreiteten Spiels: „Du schon, aber nicht ich“. 

Kräftig mitgemischt hatte dabei noch ein geldhungriger Nachlassverwalter indem er z. B. den Immobilienwert weit über den Verkehrswert angesetzt hatte, um eine möglichst hohe Provision zu kassieren. Vermittelt hatte den Nachlassverwalter eine verheiratete Jugendfreundin von Manfred. Auch sie spielte darin eine tragende Rolle.

Der Nachlassverwalter redete zusätzlich meiner Tante ein, wer alles noch Ansprüche habe. – Und meine Tante bezahlte – und er kassierte wiederum Provisionen. Keine der Zahlungen hatten einen rechtlichen Hintergrund. Auffällig war, dass der Nachlassverwalter immer dann bei meiner Tante aufkreuzte, wenn  ich beruflich unterwegs war.

Nach dem Tod von Manfred kümmerte ich mich auch um die Bank- und Versicherungsangelegenheiten meiner Tante  und deckte mehr und mehr die Merkwürdigkeiten um das Thema „Erbe“ auf. Aber da war es schon fast zu spät. Zumindest gelang es mir noch,  den Immobilienwert auf den tatsächlichen Verkehrswert zu reduzieren und hier etwas Erbschaftssteuer für sie zu sparen.

Zusätzlich fand ich eine Kopie eines Testaments, in dem meine Tante kurz nach dem Tod ihres Stiefsohnes von der Jugendfreundin Manfreds dazu verleitet wurde, ihr das Haus zu vererben. Sie hatte den extremen Schmerz meiner Tante um ihren verstorbenen Sohn voll ausgenützt. Erst da verstand ich, weshalb Verwandte bei der Beerdigung von Manfred, die Jugendfreundin nicht ans Grab lassen wollten.

Die Jugendfreundin von Manfred ging absolut nicht leer aus. Manfred hatte seiner Jugendfreundin über 170.000 € vermacht, mit der Bitte sich um seine Stiefmutter zu kümmern. Einige Monate später stellte sie jeglichen Kontakt zu Hedwig ein. Auch hier hielt der Nachlassverwalter seine Hand auf.

Dreister geht es wohl nicht mehr?

Betrachtet man nun das Verhalten des Nachlassverwalters, der Jugendfreundin, im weitesten Sinne die Aussagen des Finanzbeamten und des Gesetzgebers, dann könnte man sagen: „Dreister geht es wohl nicht mehr“. -- Irrtum, sie hatten auch eine kurze Nebenrolle in der Aufführung  „Allein gelassen und Isolierung von der Einheit“ zu spielen.
Vielleicht waren der Nachlassverwalter und die Jugendfreundin mit der Theaterrolle „Gier“ beauftragt. Ein Großteil unserer Volksvertreter und Wirtschaftsbosse scheinen auch die Rolle „Gier“ spielen zu müssen.

Hier betrifft es die  Rückabwicklung von einem Erbe, anders wo geht es um Verwandtenbeschäftigung, unverhältnismäßige Nebeneinkünfte und Diäteinerhöhungen, sowie Millionenabfindungen für Inkompetenz und Unsummen für Insolvenzverwalter, die dann meist der entlassenen Belegschaft fehlen.

Ich kann nicht verhehlen, dass ich wohl die Rollen „intergalaktisch betrachtet“ logisch verstehe, aber mein Denken und meine Gefühle dazu völlig konträr sind bzw. waren. Oder anders formuliert, ich bin noch weit weg davon, das Negative, so wie es sich mir darstellt, bedingungslos zu anzunehmen.

Achter Akt – Misstrauen:

Das Problem war dabei, dass meine Tante zu diesem Zeitpunkt keinem mehr wirklich mehr trauen konnte, besonders da sie von allen Ecken und Enden über den Tisch gezogen worden war. Sie wusste nicht mehr, wer es gut mit ihr meinte und wer eventuell nur an ihr mutmaßliches Geld ran wollte. Z. B. strich ihr ein arbeitsloses Ehepaar ihr 17qm  großes Schlafzimmer und dafür kassierte das Paar über 1000 €. Eine Malerfirma hätte ca. max. 250 € dafür berechnet. Erst als ich sie darauf ansprach, wurde ihr wieder klar, wie sie über den Tisch gezogen wurde. Auch mir gegenüber zeigte sie ein gewisses Misstrauen und es dauerte über zwei Jahre, bis sie ihren Argwohn vollends abgebaut hatte.

Neunter Akt – Vergessen:

Heute hat sich Hedwig immer noch nicht von den Schicksalsschlägen erholt. Es ist ihr alles zu viel geworden. Sie will von ihrem Umfeld wenig wissen und nichts mehr hören. Ihre Psyche wehrt sich immer mehr dagegen. Sukzessiv macht sich seit ca. 2010 "Vergessen" bei ihr breit. Es ist ein gewisser Selbstschutz, um die Endlosserie von Dramen nicht ständig ertragen zu müssen.

Zehnter Akt – Altersheim  und Pflegeheim - scheinbar wieder allein gelassen:

Um das Thema „komplett abzurunden“ stürzte mein Tante März 2013 zum wiederholten Male und brach sich diesmal den Oberschenkelhals. 2010 hatte sie sich bereits das Handgelenk und 2011 das Fußgelenk gebrochen.
Bis März 2013 konnte sie mit Hilfe eines Pflegedienstes und „Essen auf Rädern“  sowie mit meiner Unterstützung noch in ihrem Haus leben. Gewohnte Dinge konnte sie verrichten. Damit war sie auch etwas gefordert ihren Tagesablauf zu organisieren und dementsprechend ihre Gehirnzellen noch halbwegs zu trainieren. Das lief auch ganz gut bis zum Sturz im Frühjahr 2013.
Die Oberschenkelhals-Operation hinterließ aber bleibende Schäden. Aufgrund der Narkose wurden noch mehr Gehirnzellen geschädigt. Dementsprechend nimmt ihr "Vergessen" immer mehr zu.
Zeitweise ist sie heute orientierungslos, weiß manchmal nicht, was um sie herum geschieht und benötigt permanent Hilfe. Zusätzlich hat sie, trotz Reha, eine extreme Gangunsicherheit.

Bereits 1996 hatte sie sich schon im Altersheim gemeinsam mit ihrem Mann, vorsorglich angemeldet. Heute ist sie in diesem Altersheim auf der Pflegeabteilung. Trotz der wirklich fürsorglichen Pflege im Heim stürzt sie immer wieder mal. Im Herbst 2013 hat sie sich den Humerus des rechten Oberarmes gebrochen.

Meine Frau, mein Sohn oder ich besuchen sie abwechselnd. Wir können aber nicht ihren Mann und besonders ihren geliebten Stiefsohn ersetzen. Genau genommen ist sie trotz unserer Besuche wieder alleine.

Das Pflegeheim meiner Tante

Dem Pflegeheim möchte ich, in dem meine Tante Hedwig nun „wohnt“, ein sehr großes Lob aussprechen. Die Pfleger und Pflegerinnen gehen sehr liebe- und verständnisvoll mit den Insassen um. Da ich völlig unangemeldet zu den unterschiedlichsten Tageszeiten das Heim betrete, habe ich einen sehr guten Einblick.
Manchmal muss ich die Pflegekräfte direkt für ihre Geduld, verbunden mit Streicheleinheiten für die Heimbewohner, bewundern. Ich kann nur sagen „Respekt“ und werde immer wieder positiv überrascht, wie sanft die Pflegekräfte, auch in schwierigen Situationen, den Betroffenen begegnen. Die weitverbreitete Meinung, dass viele Pflegeheime achtlos und lieblos ihre Insassen behandeln, stimmt hier auf keinen Fall. In diesem Heim kann sich - aus meiner Sicht - Jeder eines Besseren belehren lassen.

Elfter Akt - Rauswurf aus dem Pflegeheim – wieder allein gelassen:

Nachdem meine Tante sich an das Pflegeheim und mit den Pflegerinnen vertraut war, kam im Nov. 2016 der größte Hammer. Unter dem fadenscheinigen Vorwand des zweiten Pflegestärkungsgesetzes mit geänderter Wohnform wurde die klassische stationäre Wohnform für besonders Pflegebedürftige im Pflegeheim meiner Tante zum 31.3.2017 gekündigt. D. h. damit wurden alle Pflegebedürftigen, die auf eine vollstationäre Pflege angewiesen waren, rausgeworfen.

Mit Beendigung der vollstationären Pflege werden weniger teurere Pflegefachkräfte benötigt und damit Kosten eingespart. Die Pflegezimmer werden ab April 2017 lukrativere Altenheim-plätze umgebaut – ohne jegliche Rücksicht auf „Verluste“. Hier spiegelt sich wieder einmal die kurzfristige Denkweise vieler Führungskräfte in unserem Lande. Der demografische Wandel zeigt sich besonders bei der rasant ansteigenden Anzahl der Hochbetagten. Einher geht damit die Nachfrage nach vollstationären Pflegeplätzen.

Man könnte davon ableiten, dass es für den Vorstand eines sehr großen Altersheimkonsortiums schwierig ist bis zum Tellerrand zu blicken und seine Funktion als Vorstand nicht gerecht wird. Nein, im Gegenteil – gerade er hat die Aufgabe als Teilseele übernommen, kranken Hochbetagten, kurz vor ihrem Ableben noch einmal die „Hölle“ auf Erden zu zeigen.

Wie die Hölle aussehen kann, im nachfolgenden Beispiel:
Mit Unterstützung von Engeln fand ich Mitte Januar einen neuen Pflegeplatz für meine Tante. Mit „Unterstützung der Engel“ heißt, im Normalfall ist es nicht möglich innerhalb 6 Wochen in München einen Pflegeplatz – und dazu noch ein Einzelzimmer - zu finden.

Am 25. Januar 2017 fand der Umzug unter extrem widrigen Umständen statt. Meine Tante war zu diesem Zeitpunkt bereits sehr stark dement und nimmt bzw. nahm wenig Erklärungen für anstehende Veränderungen an, besonders wenn sie aufgeregt ist. Die Pflegerinnen und Pfleger des Heimes verabschiedeten sich sehr liebevoll von ihr. Nur kam das gar nicht bei ihr an.

Da sie im Rollstuhl sitzt und nicht „umsetzfähig“ musste sie mit einem Ambulanzwagen gefahren werden. Der ganze Weg vom Heim, zum Wagen, in den Wagen über Schienenrampe, die Fahrt im Wagen, aus dem Wagen, bis ins neue Heim war von ihrem Schreien, Weinen und enormer Angst begleitet.

  • Ich will nicht weg!
  • Warum wollen die mich mehr im Heim, ich habe nichts getan?
  • Ich will nicht ins Gefängnis,
  • Warum bringt ihr mich so weit weg. ich finde nicht mehr nach Hause (während der Fahrt - beide Heime sind ca. 2,5 km voneinander getrennt)
  • Im neuen Heim angekommen, gegen 15 Uhr - zu mir gewandt: „Dir traue ich überhaupt nicht mehr. Weshalb bringst du mich ins Gefängnis? Ich habe dir immer vertraut, das ist nun vorbei.

Dabei heulte sie abwechselnd, zitterte vor Angst und schrie immer wieder auf. Alles Zureden, weder von den neuen PflegerInnen, noch von meiner Frau und/oder von mir half nichts.

Ich was nah dran einen Notarzt zu holen. Nach Verabreichung eines Beruhigungsmittels, auf meine Bitte hin, besserte sich die äußerst prekäre Situation etwas. Gegen 19 Uhr schlief sie dann ein.

Eine gigantische Matrix

Das Beispiel der Vollseele in Zusammenhang mit meiner Tante zeigt nur einen sehr eng begrenzten Ausschnitt. Für die Inkarnation aller beteiligten Teilseelen auf der Erde, musste für dieses Theaterstück „Allein gelassen und Isolierung von der Einheit“ eine ordentlich große Matrix von Vorbedingungen geschaffen werden.

Astralgürtel, Hölle, Fegfeuer – alles Unfug oder?

Der direkte Rücksprung zur Vollseele nach dem Tod des irdischen Körpers einer Teilseele findet selten statt.
Die Rolle hat bei der Teilseele, die ja nichts auf der Erde von dem Theaterstück wusste, bestimmte Prägungen hinterlassen. Einige Teilseelen können sich nicht von der Erde trennen. Manchmal bekommen sie sogar ihren eigenen Tod nicht mit. Dies passiert oft, wenn sie jäh aus ihrem Leben gerissen werden.
Andere wollen immer noch an etwas festhalten, sei es am Besitz, an Macht oder einem geliebten Menschen. Wieder andere wollen oder können gar nicht das Licht sehen, da sie aufgrund ihrer Erfahrungen hier auf der Erde weder an das Jenseits glaubten und damit für sie nach dem Erdenleben alles zu Ende ist.
Wobei auch ihre Emotionen und ihr Ego noch Nachwirkungen haben können.  Steckt z. B. der frisch Verstorbene in einem Sumpf von Selbstmitleid, Selbstanklagen oder Hass und Wut, kann dies schon - wie in diversen Religionen dargestellt – für ihn eine Art Fegefeuer sein oder sogar dabei seine persönliche  Hölle *) erleben. Er ist der Gefangene seiner selbst.

Nach dem Drehbuch haben sich diese Teilseelen vor ihrem Erdenaufenthalt eine besonders schwere Aufgabe gestellt. Sie haben es so gewollt. Deshalb ist dies keinesfalls als Strafe zu werten. Es ist auch nichts Negatives oder eine Art Gefängnis. Alles dient nur zu ihrer eigenen Bewusstseinserweiterung. Betrachtet man den Zeitraum in der sich die Teilseelen in diesem Zustand befinden - wenn man im Jenseits überhaupt von Zeit reden kann - dann handelt es sich um einen verschwindend geringe Zeitspanne, im Vergleich zur Ewigkeit.

Ein anderer Teil der Verstorbenen parkt kurzfristig in dem „Astralgürtel“, um ein Resümee von ihrem Erdengang ziehen. Hier können die Teilseelen ihre Erfahrungen verarbeiten sowie diese unter dem Aspekt des „intergalaktischen Blickwinkels“  analysieren und einordnen. D. h. sie bekommen einen Gesamtüberblick der Theaterinszenierung lt. Drehbuch und über ihre Rolle, die sie auf der Erde dann tatsächlich gespielt haben. Wobei die Teilseelen aufgrund ihrer Erlebnisse auf der Erde serh wohl auch ängstlich, verstört, verwirrt oder voll Schuldgefühle sein können. Im Astralgürtel durchlaufen sie dann eine Art Schule, ähnlich einer Reha, in der die schlimmen Geschehnisse aufgearbeitet werden.

*) Die Hölle mit Feuer, ebenso den Teufel mit Hörner, Schwanz und Pferdefuss gibt es nicht. Der Begriff "Teufel", abgeleitet von Devils, ist eine Erfindung der Missionare. Die Devils waren bei den Germanen hoch angesehene Hüter der Leuchtfeuer um Nachrichten zu übersenden. In rauen Nächten trugen sie Fellumhänge und Fellmützen. Einige davon hatten aus früheren Zeiten Verletzungen und hinkten. Den Römern war diese Art schneller Nachrichtenübermittlung der Germanen ein Dorn im Auge. Um den Römern gerecht zu werden und sich lieb Kind zu machen, dichteten die damaligen auftretenden Missionare den Hütern des Leuchtfeuers den Namen Teufel an. Wie die Kirche mit der Mär "Teufel" weiterhin umgeht wird hier nicht kommentiert.

Alles ist so finster - Kontakt zu meinem verstorbenen Vater

Mein Vater vertrat nach außen hin die Meinung,  dass es nach dem Tod einfach zu Ende ist. Was er wirklich dachte, konnte ich nie restlos in Erfahrung bringen. Er lehnte es stets ab, mit mir oder irgendwem über das Sterben und was danach kommen könnte, zu reden. Alles was nur nach Religion oder Spiritualität roch,  mied er.

Sein Sterbeprozess begann mit einem Oberschenkelhalsbruch mit anschließender Wundinfektion und Leberversagen. Die Infektion führte zu einem monatelangen Dahinsiechen im Krankenhaus. Ansprechbar war er in dieser Zeit nur sehr schwer. Er reagierte wohl auf mich. Wörter – und erst recht ganze Sätze – strengten ihn sehr an.
In einer Nacht von Samstag auf Sonntag im September 1991 starb er. Um 6:00 früh rief mich eine Krankenschwester an und informierte mich über den Tod meines Vaters.  Wenn ich ihn noch sehen wollte, müsste ich schnell kommen. Ich zog mich sofort an und fuhr ins Krankenhaus. Mein Vater lag friedlich in einem Einzelzimmer. Der Tod war für ihn eine absolute Erlösung. Bereits nach 10 Minuten warf mich die Stationsschwester aus dem Zimmer, mit der Begründung, dass nach sieben Uhr keine Toten mehr über den Gang gefahren werden dürften. Meine Bitte noch etwas zu warten, tat sie mit den Worten ab: „Der ist tot. Der hört sie sowieso nicht mehr. Lassen sie diese Gefühlsduselei“. Ich war so perplex, dass ich tatsächlich dieser extremen Taktlosigkeit nachkam.

Am Sonntagabend bat ich meine Frau, gemeinsam mit mir, mit meinem Vater Kontakt aufzunehmen,  um mich doch noch verabschieden zu können.  Mein Vater war zu Lebzeiten sehr stolz auf seine Schwiegertochter und liebte sie, wie sein eigenes Kind. Meine Frau war damals schon sehr sensitiv veranlagt. Allerdings hatten weder sie noch ich irgendwelche Erfahrungen mit kürzlich Verstorbenen.
Meine Frau und ich setzen uns hin und begannen zu meditieren. Wir hatten dabei keine Vorstellungen, was passieren sollte bzw. was könnte. Bereits nach ein paar Minuten bekam meine Frau harte Gesichtszüge und verkrampfte sich. Sie sprach mit dem Tonfall eines Mannes, genauer gesagt, mit dem Tonfall meines Vaters. „Hier ist es alles so dunkel. Ich sehe nichts. Ich weiß überhaupt nicht wo ich bin“.

Auf meinen Ratschlag hin, nach dem Licht zu suchen, dieses um Hilfe bitten und es wird dir helfen, du musst es nur wollen, kam seine typische Antwort mir gegenüber: „Du redest dich leicht“ und dann weiter „Hier ist nirgends ein Licht, alles ist finster. Ich bin vollkommen alleine“.

Meine Frau bekam fürchterliche Angst, als plötzlich ein Anderer in ihrem Körper war. Ich sagte meinem Vater mit Nachdruck, dass wir ihm gerne helfen, aber im Körper meiner Frau hätte er nichts zu suchen. Mein Vater entschuldigte sofort dafür, ging aus dem Körper von meiner Frau heraus und verschwand. Die Gesichtszüge von meiner Frau wurden wieder weicher. Ihr Körper entspannte sich. Sie war völlig fertig.

Uns war bewusst, dass mein Vater Hilfe suchte und sich natürlich an die Personen wandte, die er kannte und die er aufgrund unserer Trauer und seiner noch nicht sehr angehobenen Schwingung erreichen konnte.  

(Trauernde kommen oft in eine etwas höhere Schwingungsfrequenz, die nahe an der Frequenz des Verstorbenen ist und können deshalb diesen noch für eine gewisse Zeitspanne erreichen. Wobei die Kommunikation auf unterschiedlichen Wegen ablaufen kann)
Deshalb versuchten wir jeden Abend wieder mit ihm Kontakt aufzunehmen, aber mit der Vorgabe, dass er im Körper meiner Frau nichts zu suchen habe.
Den berühmten Tunnel mit dem Licht am Ende, in den die Seele - unmittelbar nach dem Austritt aus dem Leib - gezogen wird, hat mein Vater anscheinend nicht erlebt.
Erst nach gut einer Woche meldete er sich wieder. Es war ihm fürchterlich peinlich, dass er seine Schwiegertochter so erschreckt hatte. Vielleicht waren diese Woche des Alleinseins, das Finstere und das Nichtwissen, wo er ist, für meinen Vater das berühmte Fegefeuer oder sogar die Hölle. - Aber sicherlich war nirgends ein Feuer oder Ähnliches, denn sonst wäre es nicht so finster gewesen.

Inzwischen hatte er schon schemenhaft einige „verstorbene“ Verwandte gesehen. Bei dem nächsten Kontakt, deutete er an, dass er bald in eine Gruppe aufgenommen werden würde. Später erzählte er, dass auch „Personen“ da sind, die er von seiner Jugend- und Kriegszeit her kannte. Nach seiner Beschreibung unterschied sich „seine jetzige Welt“ nicht sehr von der unseren. Er berichtete von einer grünen, leicht hügeligen Landschaft und fühlte sich halbwegs wohl dabei.

Zurück zur Vollseele

Er sprach öfters von neuen Häusern, in die er nun wechseln musste. Die Gruppen dort setzen sich aus bekannten und neuen Gruppenmitgliedern zusammen. Das Wort „Haus“ nahm ich damals noch wörtlich.
Mit jedem Wechsel in neues Haus wurde die Kommunikation mit ihm immer schwerer. Er schien sich immer mehr von uns zu entfernen (Frequenzerhöhung). Nach knapp einem halben Jahr verabschiedete er sich von uns mit den Worten: „Ich komme nun in eine neue Gruppe, in der ich zu mir zurückgehe“. Ich konnte damals mit „ich zu mir zurückgehe“ nichts anfangen. Es erschien mir auch nicht besonders wichtig. Heute ist mir klar, dass er die Rückkehr zu seiner Vollseele meinte.

Sofortige Inkarnation

Eine neuerliche Inkarnation ist in der Regel nur möglich, wenn die Hauptakteure der Theaterinszenierung wieder zur Vollseele zurückgekehrt sind und das kann über mehrere Generationen dauern.


Meine eigene Reinkarnationssitzung

Das (Unter)-Bewusstsein lässt sich nichts vorschreiben


Das (Unter)-Bewusstsein kann nicht durch Vorgaben gesteuert werden, aufgezeigt am Beispiel meiner eigenen Reinkarnationssitzung.


Im Rahmen meiner Ausbildung zum Synergetik-Coach und -Profiler 2001 befassten wir uns u.a. auch mit verschiedenen Therapieverfahren, die ebenfalls mit der Innenwelt des Menschen arbeiten. Ziel dieses Ausbildungsteils war es, die Unterschiede zum Synergetik-Profiler herauszuarbeiten, hier die charakteristischen Wesensmerkmale gegenüber anderen Methoden aufzuzeigen und sich gegebenenfalls auch gegenüber diesen Methoden entsprechend abgrenzen zu können.

Um eine bestimmte Arbeitsweise besser kennen zu lernen, ist es immer effektiver, diese in praktischer Anwendung, am besten an sich selbst, zu erfahren. Mir persönlich stellen sich immer wieder die Haare, wenn ich Personen begegne, die Meinungen und Dogmen über Dinge und Methoden vertreten bzw. zu vertreten haben, von denen sie selbst keinen blassen Schimmer und erst keine praktische Erfahrung damit haben.
Beispiele hierfür gibt es unzählige, sei es im Berufsleben, in der Politik, im Amt und/oder im täglichen Leben.

Eines der Themen, die wir kennen lernen sollten, ist die Reinkarnationstherapie. Dabei geht es nicht um das Ergründen des Lebensweges seit Beginn an, sondern vielmehr die eingeprägten Muster und Eigenarten, die aus der früheren Zeit stammen, zu erkennen.

Diese Muster, die sich in Ängsten, Widerwillen oder Neigungen zu bestimmten Themen, Begehren, Ansichten, Emotionen usw. widerspiegeln, haben oft als Hintergrund traumatische Erlebnisse aus früheren Leben.

Der Sitzungsverlauf findet, ähnlich wie im Synergetik-Profiling immer für den Betroffenen im „Hier und Jetzt“ statt. Das heißt, der Betroffene durchlebt während seiner Innenweltreise das gesamte Thema noch einmal.

Bei Reinkarnationssitzungen spielt der zeitliche Ablauf des Erlebten eine untergeordnete Rolle und es kann sehr wohl passieren, dass mehrere Leben durcheinander gemischt und damit die wichtigen Informationen addiert werden. Die oben angesprochenen Muster sind ja auch in mehreren Erdenleben entstanden und werden dementsprechend in mehreren Leben turnusmäßig übernommen und mitgeschleift.

Das Erlebte in einer Reinkarnationssitzung als die „Wahrheit“ und „so war es und nicht anders“ zu sehen, ist gewagt und nicht das Ziel einer Sitzung, zumindest nicht aus der Sicht der Synergetik-Methode. Wichtig ist dabei, dass mit dem Erkennen dieser Muster es die Chance gibt, das Bewusstsein aus dem wiederkehrenden Kreislauf herauszuführen, die überlieferten Muster zu kippen und eine Neuorientierung zu ermöglichen. Kippen heißt, die althergebrachten Prägungen einer positiven Veränderung zuzuführen.

Dementsprechend war auch die Aufgabenstellung für die Reinkarnationssitzung formuliert.

Der „Liegende“, in dem Fall ich, sollte sich

  • in einer früheren Zeit in einem Zimmer auf einem Lager ausruhen
  • dann auf eine Türe zugehen und ins Freie treten
  • sich auf eine ca. 300m entfernte Brücke begeben
  • von dort aus sollte er von einer Plattform aus in die Ferne schauen und
  • erzählen was er sieht und
  • ..... also sein damaliges Leben nochmals durchleben
  • 3 Minuten vor seinem Tod sollte er inne halten und dann
  • bewusst miterleben, wie er seinen Körper verlässt und in die andere Welt hinüber geht
  • jetzt sollte er auf sein vergangenes Leben zurückschauen und feststellen, was seine Lebensaufgabe war
  • vor Beginn der Sitzung sollte er einen Satz, einen Begriff - quasi als Leitmotiv für sein Leben - spontan sagen

Jedenfalls waren das für mich “tolle“ Vorgaben. Ich hatte das eigenartige Gefühl, hier in eine bestimmte Richtung, durch die gezielten Vorgaben, geschoben oder anders ausgedrückt manipuliert zu werden. Unwillkürlich stellten sich bei mir die Haare. Schon von Jugend reagierte ich in dieser Weise, wenn bei mir der leiseste Verdacht aufkam, gesteuert zu werden. Außerdem widersprach vom Grundsatz her diese Methode der Synergetik, die (damals) nur mit einem freilaufenden Prozess arbeitete. D.h. der Klient selbst und nicht der Therapeut bestimmt die Richtung und mit Vorgaben wird schon gar nicht gearbeitet.

Dem ganzen Thema stand ich jedenfalls sehr skeptisch gegenüber. Besonders da ich von meiner Ausbildung her sehr technisch orientiert und dementsprechend möglichst logisch zu denken, gewohnt bin. Also Themen zwischen „Treu und Glauben“ ich immer mit Argwohn betrachte. 

Zusätzlich war da noch das Problem, dass ich der einzige Mann in unserer Übungsgruppe war. Keinesfalls wollte ich mir die Blöße vor den Frauen geben und kneifen. Ich beruhigte mich damit, dass es ja nur eine Übung sei, um eine andere Therapieform kennen zu-lernen und ich danach das Thema einfach ad acta legen, ehrlicher gesagt, vergessen werde.

In dem Übungsraum waren wir zu fünft. Unsere Ausbilderin, zwei weitere Teilnehmerinnen, Renate als begleitende Therapeutin und ich – der die größten Zweifel hatte – legte sich auf die „Matte“ zur Innenweltreise.

Um die Authentizität und das tatsächliche Erleben besser vermitteln zu können, da zu diesem Zeitpunkt für mich sich auch alles „real“ abspielte, schildere ich die Sitzung in der Gegenwart.

Ich liege nun schön bequem auf der Matte, mit einer Wolldecke zugedeckt und entspanne mich. Halt da war noch was! Mein Leitmotiv für dieses Leben!

„Ihr könnt mich alle gern haben, ich mag nicht mehr“.

Renate liest mit ihrer ruhigen, angenehmen Stimme einen Entspannungstext vor. Im Hintergrund spielt leise die entsprechende Musik dazu und trotz meiner Bedenken vergesse ich relativ schnell meine Umwelt und begebe mich auf die Reise in meine Innenwelt.

Jetzt liege ich in einem Raum, auf einem einfachen, grob gezimmerten Bettgestell. Die Unterlage und auch die Zudecke scheinen mit Stroh gefüllt zu sein. Die Zudecke ist nach hinten zurück geklappt. Der Raum ist ca. dreißig Quadratmeter groß. Die Wände sind aus grobem Stein. Der Dicke nach der Mauern nach scheint der Raum ein Teil von einem sehr festen Gebäude z. B. einer Burg zu sein. In der Ecke steht ein einfacher Tisch mit einem Stuhl davor. Von draußen fällt Tageslicht durch eine Art von Sehschlitzen herein. Trotzdem ist es relativ düster in dem Raum. Deshalb sind auch die Decke und deren Beschaffenheit nur schwer zu deuten. Auf der gegenüberliegenden Seite ist eine stabile, grobe Holztür. Sonst kann ich nichts erkennen. Irgendwie riecht es etwas modrig.

Ansonsten ist es angenehm warm und ich fühle mich ganz wohl. Genau genommen gefällt es mir hier, trotz der etwas abgestandenen Luft. Meine Unterlage, obwohl sie hauptsächlich aus Stroh besteht, ist sehr weich und eigentlich möchte ich liegen bleiben.

Damals war ich anscheinend noch nicht so verwöhnt, wie heute, kommt mir in den Sinn. - Aber ich habe ja Vorgaben. Ich muss ja auf die Tür zugehen. Ich stehe nun auf und gehe leichtfüßig – also bin ich anscheinend noch jung – zur Tür, öffne diese und bin von einem Art rosa Nebel umgeben. Da waren schon die ersten Zweifel – wo gibt es denn einen rosa Nebel?

Ich bleibe im Nebel stehen, da er ein ganz eigenartiges, unbekanntes Gefühl in mir verbreitet. Obwohl ich mich nicht bewege, geht der rosa Nebel allmählich in gelb über. Es ist kein Windhauch zu spüren und trotzdem stehe ich plötzlich in der Sonne. Ich schaue mich um. Die „Burg“, in der ich war, entpuppt sich als ein relativ primitives, niedriges Haus mit einem einzigen Raum und einem Stall daneben.

Die Landschaft vor mir ist leicht hügelig, mit grünen saftigen Wiesen. Wälder stehen im Hintergrund und es ist angenehm warm, nicht heiß. Ein schöner Bilderbuchsommertag. Vor mir, im Abstand von ca. 20 m verläuft eine unbefestigte Straße. Und tatsächlich ungefähr 200 m weiter ist eine Brücke. Vermutlich überspannt sie einen Bach oder kleinen Fluss.

Die musste ja auch da sein, denn die war ja auch ein Teil der Vorgabe – also doch Manipulation – so dachte ich zumindest im Hinterkopf.

Plötzlich kommt Lärm auf, der immer lauter wird. Von der Brücke her kommen Reiter auf mich zu. Es sind Soldaten bis auf die Zähne bewaffnet. Ich nähere mich vorsichtig der Straße und verstecke mich hinter einer kleinen Buschgruppe. Man kann ja nie wissen, ob ich Freund oder Feind vor mir habe. Die Reiter kommen mir allmählich bekannt vor. Sie sind ungefährlich für mich. Deshalb trete ich näher an die Straße heran. Inzwischen bin ich so nah, dass ich ihnen direkt in die Augen schauen kann. Die einen haben einen gepanzerten Oberkörper und andere tragen nur Stoffkleidung. Der Kopf ist entweder mit einem offenen Helm mit Federbusch oder einem breitkrempigen Hut, ebenfalls mit Federbusch, bedeckt. Allen Reitern gemeinsam sind die bunten Pluderhosen. Wobei die mit den gepanzerten Oberkörpern vornehmer auf mich wirken.

Irgendwie habe ich das Gefühl, ich müsste mit denen mitreiten – ich habe sogar die Verpflichtung mit denen mitzureiten. Es ist für mich klar, es muss Krieg sein. Sie ziehen in eine Schlacht. Bei der Ausrüstung und der Länge des Trosses, dessen Ende ich nicht sehe, muss das so sein.

Ein Pferd steht auch in der Nähe. Es sieht lammfromm aus und es würde sich sicherlich von mir reiten lassen. Ich bräuchte nur aufzuspringen und mich in die Kriegskarawane einzureihen.  Aber ich entscheide mich anders.

Da der Tross viel Krach verursacht, kann ich es mir leisten lauthals meine Meinung kundzutun.

„Ihr könnt mich gern haben. Mir reicht’s, ihr könnt euch die Köpfe gegenseitig einschlagen. Ich mach da nicht mehr mit. Ich mag nicht mehr“.

Keiner der Soldaten reagiert im Geringsten auf mich. Wieso auch, bei dem Lärm.

Die Reiter sind nun an mir vorbei und das Fußvolk kommt hinterher. Die Landsknechte haben Vorderlader dabei, andere sind mit Schwertern, Äxten oder Hellebarden bewaffnet. Die meisten sind in grau oder braun gekleidet. Dazwischen ziehen Ochsen und auch Pferde Kanonen nach sich. Material- und Proviantwagen und eine Art Feldschmiede sind auch mit von der Partie.

Nun kommen auch noch Krämer mit ihren Wagen und Gaukler ... und zu allem Überfluss auch noch ein paar Frauen mit Kindern. .... zu allem Überfluss, Frauen und Kinder .... die haben doch bei einem Kriegsheer nichts zu suchen!

Meine Logik schaltet sich wieder ein – das was ich hier erlebe kann doch nur einer blühenden Phantasie entsprungen sein und hat mit einer Reinkarnationssitzung nichts zu tun. Ich bin etwas irritiert und brauche einige Zeit um meinen Innenweltreise wieder fortsetzen zu können.

Ich versuche wieder einen Blick von den Gauklern zu erhaschen. Dann versuche ich es bei den Kindern. Auch die ignorieren mich einfach. Irgendwie ist das Kriegsvolk ganz schön arrogant. Die wollen sich anscheinend von den Nichtteilnehmern unterscheiden und mit denen nichts zu tun zu haben. Nach gefühlten gut 30 Minuten ist der Spuk vorbei.

Inzwischen ist es mir zu warm geworden. Ich trage eine Art Jacke, die leicht gepanzert ist. Einerseits fühlt sie sich hart an, andererseits ist sie recht beweglich, zumindest empfinde ich mich darin überhaupt nicht eingeengt.

Ich öffne meine Jacke. Da die Verschlüsse etwas haken, schaue ich nach unten und sehe ein paar zerschlissene Schuhe, die früher sicher etwas edler waren. Mein Blick wandert weiter nach oben. Ich trage eine total zerfetzte Hose, dessen Stoff aber teuer auf mich wirkt. Meine Jacke ist nun offen und darunter lugt ein Hemd hervor, das einige Löcher hat. Das Hemd und die Hose haben vermutlich schon längere Zeit keine Seife mehr gesehen. Besonders im Bauchbereich ist das Hemd schmutzig rotbraun. Vermutlich habe ich die Schuhe und die Hose geklaut. Mit der Hand fahre ich über mein Kinn und fühle einen Stoppelbart, der bestimmt einige Tage alt ist. Ich taste mich weiter zu meinem Haar vor – und das ist auch nicht besser, es fühlt sich total verwildert und schmutzig an.

.......... ein Landstreicher ... ein ganz einfacher Landstreicher ... durchfuhr es mich. Ich war enttäuscht – denn innerlich war ich bisher überzeugt, etwas Besseres zu sein. – Nichts Hochtrabendes, aber zumindest kein zerlumpter Landstreicher. Jedenfalls war mir nun klar, weshalb ich nicht beachtet wurde. Wer schenkt schon einem Landstreicher einen Blick, wenn man für den Kaiser in den Krieg ziehen darf. – Welchen Kaiser denn ... ?

Aus dem Hintergrund höre ich die Stimme von Renate „weißt du in welchem Jahr du bist?“.

..... „so um 1630“.

Ich drehe mich nun um und marschiere in Richtung Brücke. Von dort kommt mir ein kleiner Krieger, fast ein Zwerg, entgegen. Er rennt so schnell, wie es ihm seine kurzen Beine erlauben. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er weiß, was Krieg ist und was da für schreckliche Dinge ablaufen. Jedenfalls will er auch dabei sein.

Vor lauter „ich will auch dabei sein“ scheint es, als wolle der „Zwerg“ mich einfach umrennen. Jedenfalls mache ich zur Sicherheit einen Schritt zur Seite. Er hat sich das arrogante Verhalten des  Kriegsvolkes auch schon angewöhnt. Er beachtet mich überhaupt nicht, er rennt ohne jegliche Notiz meiner Person einfach an mir vorbei.

Die Brücke ist eine einfache Holzbrücke. Darunter fließt ein kleiner Bach. Eine Plattform (laut Vorgabe) ist nicht da. Also bleibe ich auch nicht stehen. Hinter der Brücke ist ein kleines Dorf. Es wirkt direkt friedlich. Die Haupthäuser, meist Fachwerkbauten mit Strohdächern bedeckt, sahen früher einmal sicherlich hübsch aus. Jetzt müssten sie allerdings dringend repariert werden. Die Dorfbewohner scheinen sehr arm zu sein. Die Armut sieht man an der Kleidung der Frauen und Kinder. Ein paar dürre Ziegen und Schafe stehen herum. Männer sehe ich auf den ersten Blick nicht.

Ich komme an einen Brunnen, von dem eine Frau Wasser schöpft und auf der anderen Seite spielen Kinder. Ein paar Schritte entfernt steht ein Backofen. Zwei Frauen sind gerade dabei, den Brotteig in den Ofen zuschieben.

Im Dorf sind fast tatsächlich nur Frauen, Kinder und ein paar alte Männer. Die Frauen und Kinder tragen Sackleinen mit und ohne Strick um den Bauch herum. Merkwürdig ist für mich ist die Kleidung der Männer. Sie laufen mit so etwas Ähnlichem wie „Nachthemden“ herum, wobei einige Männer diese in eine Art Strumpfhose mit einer Öffnung am Gesäß gestopft haben.  Die jüngeren Männer sind vermutlich alle im Krieg. Je mehr ich mich umschaue, desto mehr wird mir bewusst, dass ich das Dorf schon öfters gesehen habe –  vermutlich nur so vom Durchreiten – Was heißt reiten, vom Durchgehen? – Ich als Landstreicher, hatte sicherlich kein Pferd.

Trotzdem schießt mir das Wort „Plebs“ durch den Kopf und zwar so, als hätte ich den Begriff schon ewig verwendet und auch auf diese Dorfbewohner angewendet. Meine Logik setzt wieder ein. Irgendwie passt der Begriff nicht in diese Zeit und wie bei den Römern fühle ich mich auch nicht. Hier vermische ich offensichtlich etwas.

Die Frauen und auch die alten Männer scheinen mich aber nicht zu kennen. Zumindest nicht in dieser zerlumpten Kleidung und meiner ausgemergelten, dürren Gestalt. Vielleicht ignorieren sie mich einfach, damit sie mir nicht Kost und Logis geben müssen oder sie befürchten, dass ich um Arbeit nachfragen könnte. Oder …. und das ist wahrscheinlichste Erklärung, sie haben einfach Angst vor mir und ihr Schutz ist es, mich einfach nicht zu beachten.

Einerseits habe ich so eine Ahnung oder ist das auch nur ein Hirngespinst, da ich ja etwas Besseres bin bzw. sein wollte. Ganz im Hintergrund bilde ich mir sogar ein, dass ich ihnen gegenüber etwas zu sagen habe, also ihr Herr bin und sie mich nur nicht in meinem Aufzug erkennen.

Andererseits bin ich über diesen Zustand recht froh darüber, ja ich habe sogar Angst, dass sie mich kennen könnten und damit bemerken, dass ich nicht dabei bin – nicht dabei bin, bei dem Krieg. Alle Ihre Männer sind in den Krieg gezogen und vor ihnen steht ein Feigling, der sich davor drückt. Das Risiko des Entdeckens dieser Schandtat und sich dann noch gegenüber alten Frauen und Männern zu rechtfertigen will ich nicht eingehen. Deshalb verlasse ich eiligst, ja fast fluchtartig, das Dorf auf der anderen Seite. Dabei blicke ich etwas verstohlen und nervös zurück, vor Furcht, dass mir einer vielleicht doch folgen und unangenehme Fragen stellen könnte.

– So ein „Blödsinn“ kommt in mir hoch. Jetzt habe ich schon Angst vor der Meinung von Frauen und alten Männern aus einer niedrigen Volksgruppe. – Niedrige Volksgruppe - woher kommt denn diese Einschätzung die Menschen in Kategorien einzuteilen? Irgendwie sind mir meine eigenen Gedanken suspekt. Allmählich beruhige ich mich wieder und in mir macht sich ein wohliges Gefühl von Freiheit breit. Ich kann durchatmen – endlich frei.

Schon wieder setzt meine linke Gehirnhälfte ein. Ich bin doch frei, ich bin nicht bei den Soldaten, keinem untergeordnet, der mir etwas befiehlt, der mir Arbeit anschafft oder irgendeinem verpflichtet. Ich bin ein Landstreicher – aber frei.  Mir kommen immer wieder Fuhrwerke entgegen. Hauptsächlich scheinen es Händler und Krämer zu sein. Vermutlich wollen die auch dabei sein um Geschäfte mit dem „Krieg“ zu machen.

Um mir keine Blöße zu geben und ja nicht entdeckt zu werden, verlasse ich zur Vorsicht den Weg und steure auf einen Waldrand zu. Die Freiheit wirkt schon in mir. Seit langer Zeit achte ich wieder auf die Schönheit der Natur.  – Oder - habe ich das überhaupt jemals getan?  kommt die Frage in meinem Kopf auf.

Die Farben der Blumen auf der Wiese, der Wald im Hintergrund und auch die des Himmels wirken sehr intensiv auf mich. Ich höre fast überlaut das Summen der Bienen. Die unterschiedlichsten Vogelstimmen nehme ich wahr. Es sind Vogelstimmen, die ich vorher noch nie gehört habe oder besser gesagt, auf die ich vermutlich noch nie geachtet habe. Mir kommt es fast vor, als könnte ich jede einzelne Blume für sich riechen. Jede Blume scheint einen anderen Duft zu haben.

Toll, was mir meine Freiheit alles bringt und für was man alles erkennen kann, wenn man sich nur die Zeit nimmt und auf die Dinge um sich herum achtet. Ich wundere mich nur darüber, weshalb diese Erkenntnis erst jetzt in mir hochsteigt.

Am Waldrand suche ich mir einen moosbedeckten Platz im Halbschatten und lege mich hin. Mir wird immer noch klarer, je bewusster man die Welt wahrnimmt, umso schöner wird sie und Kleinigkeiten, wie mein „Moos“ auf dem ich liege, wird für mich wie zu einem Himmelbett. Das Zwitschern der Vögel klingt wie Musik und ich spüre förmlich die Fröhlichkeit die dahinter liegt.

Nach einiger Zeit kommen aus dem Wald Rehe heraus – zwei, dann drei. Ich verhalte mich ganz ruhig. Sie sind vielleicht vier bis fünf Meter entfernt. Jetzt kommt auch noch ein Hase hinzu, völlig ohne Vorsicht, ohne Angst und ohne sich um mich zu kümmern.

Ich bin ganz schön aufgeregt. Ein völlig neues Gefühl. So eine Nähe zu den Wildtieren habe ich noch nie erlebt. Ich drehe mich ganz vorsichtig in Richtung der Tiere. Sie reagieren nicht und spreche ich sie sogar ganz leise an. Sie nehmen aber  mir absolut keine Notiz. Offenbar sehen sie in mir keine Gefahr.

Jetzt setzt wieder meine Logik ein. „So ein Unfug, das ist ja wie im Märchenbuch“ sage ich laut in den Übungsraum hinein. Ich bin überzeugt davon, dass ich irgendwelche Erinnerungen aus Kinderbüchern aus dem 20. Jahrhundert hier untermische. Deshalb stehe ich auch abrupt von meinem schattigen Platz am Waldrand auf. Selbst jetzt reagieren weder die Rehe, noch der Hase auf mich. - Also doch Erinnerungen aus dem Märchenbuch.

Etwas verärgert über die etwas absurde Inkarnationssitzung, mit eingebildeten Passagen aus Märchenbüchern der heutigen Zeit, gehe ich weiter, immer parallel zu dem Weg, auf dem immer noch einige Kriegsgewinnler unterwegs sind. Direkt den Weg zu benützen traue ich mich nicht. Ein richtiges Ziel habe ich eigentlich nicht. Aber für einen Landstreicher ist das - zumindest meiner Meinung nach - ja auch normal.

Jetzt meldet sich mein Gewissen - was machen denn die da im Krieg ohne mich, kommen die alleine zurecht? Ich hab doch eine Verpflichtung, genau so wie die Soldaten, der Zwerg und die waffenfähigen Männer aus dem Dorf, das ich vorher fluchtartig verlassen hatte. Ganz tief in meinem Inneren habe ich sogar das Gefühl, dass ich vom Kriegshandwerk außerdem etwas verstehe.

--- Aber was kann denn schon ein Landstreicher da bewirken - und so geht es eine Zeitlang hin und her. Der Gedankenstrom scheint nicht enden zu wollen. Dann kommt der „erlösende“ Satz „ihr könnt mich alle gern haben“ und damit beruhige ich mich allmählich wieder.

Die Schönheit der Natur, die ich gerade so genossen und aufgesogen habe, ist durch meine Zweifel wie weggewischt. Ständig meldet sich bei mir im Hintergrund eine Art von Verantwortungsbewusstsein, gemischt mit Pflichttreue und dem ganzen Sinn oder Unsinn eines Feldzugs. Ich achte nun weder auf die Vogelstimmen, noch sehe ich irgendwelche Tiere bewusst in meiner Nähe. Im Grunde bin ich Gefangener meiner Gedanken. Die Gedanken beherrschen mich und nicht ich sie. Zugegeben. diesen Zustand kenne ich schon seit jeher.

Plötzlich sehe ich eine Reiterschar. Sie kommen aus der Richtung des  Dorfes. Die wollen anscheinend auch nicht dabei sein oder sind das vielleicht die, gegen die wir kämpfen sollen? Haben Sie vielleicht schon den Tross überrollt oder sogar besiegt?

Weitere Vermutungen kann ich nicht mehr anstellen, da sie unheimlich schnell auf mich zukommen. Alle Reiter tragen eine schwarze Rüstung. Das Visier ist bei allen herunter geklappt. Es geht etwas Majestätisches von ihnen aus. Sie erzeugen keinen Lärm, kein Huftrampel ist zu hören. Irgendwie habe ich das Gefühl meine Ohren sind in Watte eingepackt. Deshalb habe ich sie auch so spät bemerkt. Eine Chance gegen die zu kämpfen und vielleicht noch zu gewinnen, auch wenn wir die Kaiserlichen oder so etwas Ähnliches sind, haben wir sowieso nicht, kommt mir in den Sinn.

Ich will mich hinter einer Baumgruppe verstecken. Die Reiter haben mich aber schon entdeckt. Die ganze Schar schwenkt einfach in meine Richtung und kommt direkt auf mich zu. Und tatsächlich, ich habe keine Chance irgendetwas gegen diese zu unternehmen, weder auszuweichen oder wegzurennen. Ich habe nicht mal Zeit Angst zu entwickeln, da alles sehr schnell und absolut geräuschlos, ohne jeglichen Befehl abläuft. Die Reiter sind super auf sich eingespielt. – Faszinierend, sie wirken wie eine Einheit.

Direkt vor mir teilt sich nun die Schar und in der Mitte sehe ich ein reiterloses, dunkelbraunes, fast schwarzes Pferd. Links und rechts packen mich zwei kräftige Hände unter meinen Armen und setzen mich mühelos auf den Braunen. Das alles geschieht wiederum völlig lautlos, ohne jegliche Worte oder Kommentar seitens der Reiter. Ich wurde auch nicht gefragt, ob ich damit einverstanden bin. Ich bin verblüfft und sprachlos zugleich und leiste auch keinerlei Widerstand. Angst habe ich immer noch keine. Ich bin sogar ein wenig neugierig, was nun weiter passieren wird.

Merkwürdig finde ich, dass diese Reiter, von denen etwas Besonderes ausgeht, mich nicht ebenso ignorieren, wie es die anderen getan haben, denen ich bisher begegnet bin. Als zerlumpter, sicher streng riechender Landstreicher passe ich weder zu denen, noch gehöre ich zu diesem „erlauchten“ Kreis.

Mein Pferd ist eine einzige Schau. Schnell fegt es dahin. Es scheint gar nicht den Boden zu berühren. Es ist eine Wonne dieses Pferd zu reiten.

Schlagartig wird mir bewusst, dass ich reiten kann und das noch ganz sicher, ohne jegliche Anstrengung. Das Pferd und ich scheinen miteinander verwachsen zu sein, so als würde ich es schon ewig kennen. Es bedarf keinerlei Kommandos meinerseits. - Ich muss offensichtlich nicht immer Landstreicher gewesen sein. Dieser Gedanke befriedigt mich doch ein wenig. Gott sei Dank – denn stückweise graust es vor mir selbst, wie ich gekleidet und dreckig ich bin.

Die Reiter vor mir betrachte ich mir näher. Alle tragen eine schwarze Einheitsrüstung, alle haben so einen Art Federbusch, ebenfalls schwarz, auf dem Helm. Trotz der sicherlich schweren Rüstung sitzen sie sehr locker, fast elegant, auf den Pferden. Geredet wird immer noch nicht. Es könnte - nein sicher - es ist eine Elitetruppe. Auch die Pferde sind sehr edel. Sie zeigen keinerlei Schwäche, sie sondern nirgendwo Schweiß ab, trotz des hohen Tempos.

Eine Zeitlang genieße ich den Zustand - aber dann wird mir bewusst, dass meine „neue“ Freiheit, besser gesagt meine neue Erkenntnis darüber, dass ich frei bin, weg ist, wenn ich mit denen da weiter reite Außerdem ist mir überhaupt nicht klar, wohin diese wilde Reiterei führen soll.

Also tippe ich dem Reiter vor mir rechts auf die Schulter und sag’ zu ihm „Ihr könnt mich alle gern haben, ich will nicht mehr. Ihr könnt alleine weiter reiten.

Der Reiter dreht sich, trotz seiner schweren Rüstung, behände um. Er verringert dabei auch nicht sein Tempo, langt mit der rechten Hand, die in einem Handschuh steckt, zum Helm und hebt ihn ohne Mühe ab. Genauer gesagt. er hebt ihn nicht ab, sondern schiebt ihn mehr zur Seite. - Endlich will einer mit mir reden. Allerdings weit gefehlt.

Unter dem Helm ist nichts, kein Haarschopf, kein Kopf, einfach Nichts. Damit auch keine Möglichkeit mit dem da zu reden. Mit einem Mensch ohne Kopf zu kommunizieren geht wohl nicht. Ich bin völlig irritiert. Seltsamerweise kommen in mir wieder keine Angstgefühle hoch - noch nicht. Als ich mich halbwegs gefangen habe, tippe ich zur Sicherheit nun meinem linken Nachbarn auf die Schulter. Der dreht sich ebenfalls um und hebt seinen Helm auch ab. Wieder sehe ich einen Reiter ohne Kopf oder irgendein ähnliches Gebilde vor mir. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass auch in dem Rest der Rüstung nichts steckt, kein Körper, keine Arme, keine Füße, einfach nichts.

Allmählich dämmert es mir. Das sind ja Tote – alles Tote. – also Geister, zumindest was ich bisher darunter verstanden habe. Die Pferde scheinen auch tot zu sein. Deshalb können die so schnell und lautlos reiten.

Jetzt läuft es mir doch eiskalt den Rücken herunter. Ich friere regelrecht auf meiner Matte. Renate gibt mir eine zweite Decke.

.............. was hab ich denn mit denen zu tun? Ich schreie nochmals  „Ihr könnt mich alle gern haben, ich will nicht mehr! .... Ihr könnt alleine weiter reiten!“ Ich schrie, um meine aufkeimende Angst zu überwinden, denn, wie gesagt, es ist mir doch ganz schön mulmig geworden.

Toten so direkt gegenüber zu treten und mit denen auch noch zu reiten war bisher weit außerhalb meines Erfahrungs- und Vorstellungsbereiches. Wie auf Kommando teilt sich der Reitertross vor mir und lässt mich alleine weiter reiten. -  Ich bin erleichtert, losgekommen zu sein von dieser unheimlichen Schar. Die Reiter sind verschwunden. Die ganze Umgebung verändert sich zusehends.

Mein Pferd hat vom Boden abgehoben. Alles um mich ist so leicht, alles um mich wirkt immer mehr und mehr verschwommen. Nichts ist mehr zu sehen, kein Weg, keine Wiese, kein Himmel, einfach Nichts ....... ich reite ins Nichts. Jetzt begreife ich erst was da abläuft. Immer mehr dämmert es mir und es wird mir noch unbehaglicher. Ich bin auch tot und dies anscheinend schon lange. Ich wandle als Toter durch die Gegend und weiß nichts davon.

Deshalb haben mich auch die Soldaten, die Kriegseiferer, die Gaukler, die Frauen, die Kinder, die alten Männer des Dorfes einfach ignoriert. Die konnten mich gar nicht sehen. Jetzt war mir auch klar, weshalb die Tiere am Waldrand keine Angst vor mir hatten und so „zutraulich“ waren. Gesehen hatte mich nur die Reiterschar, die ebenfalls zu den Toten gehörten. Sie war bzw. ist in dem gleichen Zustand wie ich.

Meine linke Gehirnhälfte gewinnt wieder die Oberhand. Also die Vorgabe, einer meiner Leben zu durchleben und dann drei Minuten vor dem Tod zu verharren, bewusst in die andere Welt zu wechseln und dann noch herausfinden, was meine Aufgabe war, hat überhaupt nicht geklappt.

Auch meinen Begleitern in dem Übungsraum  wird das bewusst. Innerlich bin ich ganz schön aufgewühlt und es ist mir immer noch etwas mulmig.

Renate schlägt mir nun vor, in der Zeitachse ca. ein Jahr zurückzugehen und dann zu schauen, ob ein Bild von einer Situation hochkommt, das für dieses Thema wichtig ist. Langsam beruhige ich mich wieder und ich gehe mit Hilfe von der Renate, Schritt für Schritt zeitlich um ein Jahr zurück.

Nun befinde ich mich in einer Burg. Der Raum ist ca. achtzig bis neunzig Quadratmeter groß. In der Mitte steht ein großer langer Holztisch. Es sind noch weitere Personen da. Zwölf zähle ich und ich bin der dreizehnte. Im Hintergrund stehen ein paar Diener. Wir sitzen an dem Tisch. Ein Mann mit einem Spitzbart, schwarz gekleidet und mit einer weißen Halskrause, an der Stirnseite des Tisches, führt das Wort. „Wir müssen unseren Kaiser unterstützen – Es ist unsere heilige Pflicht sich dem Feind entgegenzustellen“.

Der Spitzbart redet fast ausschließlich. Ihm scheint auch die Burg zu gehören. Jedenfalls erteilt er den Dienern ein paar Befehle. Wir dreizehn gehören anscheinend zum Adel. Keine Fürsten oder etwas in dieser Preisklasse, eher etwas gehobener Landadel. Jeder ist aber für sich sein eigener Herr und wir beraten darüber, ob wir in den Krieg ziehen sollen oder nicht. Was heißt beraten ....... der Spitzbart hat inzwischen schon alle von seiner Meinung überzeugt, dass es notwendig ist. Die anderen Beteiligten der Runde sehe ich nur schemenhaft als blasse Gestalten. Vermutlich deshalb, da sie sowieso nichts zu sagen haben bzw. sich nichts sagen trauen.

Plötzlich kommt mir in den Sinn, dass es heute immer noch so ist, egal ob im Büro, in der Politik oder sonst wo. Eine(r)  führt das Wort und die „blassen Gestalten“ folgen unwidersprochen und fast blind, ungeachtet dessen ob dies Unfug ist oder nicht.

Ich bin der einzige, der noch dagegen ist. Ich will nicht in den Krieg. Ich hasse Blutvergießen und außerdem bin ich sehr skeptisch, ob wir überhaupt eine Chance haben. Der Spitzbart spricht mich direkt an. „ Du hast Schlangen und deshalb musst du schon mit“. Die anderen stimmen ihm, fast unterwürfig, zu.

Ich habe Schlangen ......, ich weiß gar nicht was er damit meint. „Eine Schlange ist wichtig im Krieg?“...... so geht es mir durch den Kopf. Ich überlege weiter........ Einerseits könnt ihr mich alle gern haben, andererseits ist da noch das Problem mit der Ehre und mit meinem Hab und Gut. Wenn ich nicht in den Krieg mitziehe, befürchte ich Repressalien, vielleicht wird mir sogar mein Land genommen, vielleicht werde ich sogar geächtet oder zumindest von den anderen verachtet? Jedenfalls habe ich eine gehörige Portion Angst, dass ich von meinem Besitz und meiner Macht etwas verlieren könnte.

Und aus diesen, rein egoistischen, Überlegungen heraus fällt es mir plötzlich gar nicht mehr so schwer einzuwilligen. - Und damit gehöre ich auch in die Gilde der „blassen Gestalten“. Ich gebe wohl noch ein paar nichtssagende Sätze, ohne jeglichen Inhalt, von mir und verlasse die Runde.

Jetzt bin ich in meiner eigenen Burg. Sie ist um einiges kleiner, als die vom Spitzbart. Ich stehe am Fenster und schaue gedankenverloren hinunter. Meine Gedanken haben mich schon wieder im Griff. Die Burg besitzt keinen Innenhof, wie die des Spitzbartes. Die Burg ist ein kompaktes Gebäude, ähnlich einem dicken Turm und rundherum verläuft eine ca. vier Meter hohe Mauer. Dort wo Stallgebäude stehen, ist die Mauer ausgebuchtet. Gut zehn Leute stehen beieinander und tuscheln etwas. Als sie mich am Fenster erblicken, verneigen sie sich vor mir und zerstreuen sich, um eiligst ihrer Arbeit wieder nachzugehen. Sie richten die Waffen für den bevorstehenden Feldzug her und beladen einen Wagen.

Vier Pferde, die der Schmied führt, ziehen aus einem Schuppen ein verstaubtes Gestell auf Rädern. Auf dem Gestell liegt ein ca. 3m langes Rohr. Es ist eine Kanone – und plötzlich ist mir klar, was der Spitzbart mit den Schlangen gemeint hatte. Es sind Kanonen, auf Holzlafetten befestigt.

Ein Bauer mit einem Wagen voll getrockneter Rüben fährt in den Hof. Er sieht zu mir hoch und verneigt sich ebenfalls. Ich registriere das alles so nebenbei, da mich immer noch der Gedanke plagt, ob es rechtens ist, diese Leute, für Leute für denen ich eine Verantwortung trage, in den Krieg zu schicken – und das alles nur weil ich Sanktionen von dritter Seite her befürchte und weil mir wichtig ist, was andere über mich denken.

…. …. Wir sind jetzt bereits unterwegs. Insgesamt sind wir fünfzehn Personen, fünf zu Pferd, davon vier Kanoniere und die zehn Landsknechte zu Fuß. Zwei „Schlangen“ ziehen jeweils vier Pferde. Wenn es bergauf geht oder matschig wird, schieben die Landsknechte mit an. Ein Wagen für Proviant und Munition ist auch dabei. Die Landsknechte fahren abwechselnd den Wagen. Durch das Abwechseln können sie sich etwas ausruhen.

Ich reite auf meinem Braunen voran und tue so, als ob ich es toll finde für den Kaiser zu kämpfen. Wobei ich den Kaiser noch nie gesehen habe. Ich will jedoch ein gutes Beispiel geben und vermittle den Eindruck, dass es sich eigentlich mehr um einen Spaziergang handelt. Innerlich ist mir bewusst, dass das gesamte Vorhaben total bescheuert ist und dass dieser Feldzug absolut kein Zuckerlecken wird.  

Es kommen immer wieder Gruppen von 10 bis ca. 25 Mann hinzu und alle ziehen in die gleiche Richtung. Unser Tross ist nun gut über dreihundert Mann stark. Einen Art Anführer, der zumindest den Weg kennt, reitet an der Spitze des Trosses. Der Spitzbart reitet neben ihm. Die Anfangseuphorie der Soldaten schwindet zusehends immer mehr, je länger der Marsch dauert. Es ist kühl und regnerisch. Die Wege sind teilweise aufgeweicht und morastig. Das Vorwärtskommen ist stückweise sehr mühsam. Die Stimmung wird immer gedrückter. Zusätzlich verbreitet sich immer mehr unter den Soldaten das Gerücht, dass der Gegner fürchterlich sei und bisher nicht besiegt wurde.

In mir regt sich immer mehr und mehr das schlechte Gewissen über meine Angst – nicht nur vor dem Feind – sondern, dass ich mein Ansehen verlieren könnte, wenn ich nicht bei dem Irrsinn mitmache. Der Gedanke der „blassen Gestalt“ lässt mich nicht los.

Es dürfte der neunte oder der zehnte Tag sein, als wir in der Ferne vereinzelt Kanonenschüsse hören. Einige der Soldaten scheinen sogar erleichtert zu sein, endlich ans Ziel zu kommen und reißen sogar derbe Witze, wie sie den Gegner zermalmen werden. Vielleicht wollen sie sich dadurch auch nur gegenseitig Mut zu sprechen. Ähnlich wie ein kleines Kind, das in der Dunkelheit laut zu singen beginnt, um seine Angst zu vertreiben.

Gegen Mittag erreichen wir das Aufmarschgebiet. Es ist eine Ebene, durch einen Fluss getrennt. Auf der gegenüberliegenden Seite hat der Gegner bereits Stellung bezogen. Meine Kanoniere und ich beziehen ca. fünf- bis sechshundert Meter vor dem Fluss Position. Meine Landsknechte müssen weiter nach vorne. Bei Dunkelheit sollen sie wieder zu uns zurückkommen. Bald verliere ich sie aus den Augen.

Das Geschützfeuer bricht plötzlich los. Zögerlich zünden wir die Lunte an und erwidern das Feuer. Und wie befürchtet, hat uns der Gegner schnell entdeckt und schießt präziser und mit wesentlich höherer Feuerkraft zurück. Meine zwei Kanoniere bekommen Angst. Sie lassen sich mit dem Laden der Kanone unendlich viel Zeit – und ich bin sogar froh darüber – um den Gegner nicht zu sehr auf uns aufmerksam zu machen.

Eine leichte Panik kriecht in mir wieder hoch. Wie müssen sich denn erst meine Landsknechte fühlen, die noch näher an der Front sind. Es dauert ewig lange, bis es endlich Nacht wird. Nacheinander treffen meine Landsknechte wieder ein. Nur einer ist leicht verwundet. Gott sei Dank.

Kurz vor Morgengrauen schicke ich meine Landsknechte wieder nach vorne. Wobei eine sehr unangenehme Vorahnung in mir hochsteigt. Ich wende mich ab, damit sie trotz der Dunkelheit, auf keinen Fall, meine feuchten Augen sehen können.

Kurz darauf setzen die ersten gegnerischen Landsknechte und Reiter über den Fluss. Sie  beziehen in Reih und Glied Stellung und feuern Ihre Musketen ab. Danach reiten bzw. rennen die Gegner aufeinander los. Mit Schwertern, Äxten und Hellebarden wird gekämpft. Immer mehr und mehr wälzt sich das Kampfgetümmel in unsere Richtung. Meine Kanoniere bedienen inzwischen recht verbissen die Kanone, um die Gräueltaten um uns herum weniger mitzubekommen. Ich unterstütze meine Kanoniere mit Handlangerdiensten. Damit vertusche ich meine ständig latente Angst gegenüber meinen Gefolgsleuten.

Dazwischen hören wir das Geschrei der Verletzten, das Wiehern der stürzenden Pferde und das Donnern der Kanonen. Es ist ein fürchterlicher Zustand.

Allmählich zeigt sich auch wieder die Furcht bei meinen Kanonieren. Die Verbissenheit und die Konzentration auf ihre Geschütze lassen rapide nach. Sie bedienen jetzt nur noch spärlich die Kanonen, umkreisen recht umständlich die Kanonengestelle und zucken bei jedem Kanonenschlag, egal aus welcher Richtung, zusammen. Nach einer Ewigkeit wird es endlich dunkel und der Kampf ebbt ab.

Überall liegen Verwundete und Leichen umher. Einer meiner Kanoniere ist auch tot. Auf der rechten Seite ist er voll Blut. Wann und wie dies geschehen ist, habe ich gar nicht mitbekommen. Ein weiterer Kanonier fehlt. Vielleicht hat er sich aus dem Staub gemacht. Wir warten auf meine Landsknechte. Es ist inzwischen weit nach Mitternacht. Diesmal kommen Sie nicht zurück. Meine Vorahnung am Morgen hat mich nicht betrogen.

Meine zwei übrigen Kanoniere sind völlig deprimiert und verängstigt. Ich bin ratlos. Gemeinsam beschließen wir zu flüchten.

Unsere Pferde sind nicht mehr da. Halb gedeckt, jede noch so winzige Deckung, soweit überhaupt möglich, in Anspruch nehmend, rennen wir los.

Im Abstand von ca. zweihundert Metern sehen wir schemenhaft einige Reiter. Wir können nicht erkennen, ob es Feind oder Freund ist. Zur Vorsichtig werfen wir uns einfach in eine Bodenmulde. Um ja nicht entdeckt zu werden, robbe ich mich flach neben einen Toten. Mich schaudert es furchtbar neben dem Toten zu liegen, aber ich bin vor den Reitern geschützt.

... und der „Tote“ rührt sich auch noch plötzlich, sein Hand zuckt hoch und sticht mir ein Messer in den Bauch. Ich spüre kurz einen stechenden Schmerz.

Als die Reiter in der Nacht verschwunden sind, springe ich wieder auf. Ich suche meinen Kanoniere, rufe leise nach ihnen, rufe etwas lauter – aber es kommt keine Antwort. Sie sind weg. Die ganze Situation hat mich so angespannt, dass ich den Messerstich direkt vergessen habe.

Endlich finde ich ein Pferd. Es lässt sich ganz leicht einfangen und ich reite in Richtung Heimat, zu meiner kleinen Burg. Ich scheine von unserer Truppe der einzig übrig Gebliebene zu sein. Seltsamerweise genau der, der die anderen in den Kampf geschickt hat. Was die anderen über mich denken ist mir plötzlich egal. Ich bin ja nach dem heutigen Sprachgebrauch eine Art "Deserteur". Parallelen zur heutigen Zeit kommen in mir hoch.

Das Pferd ist sehr außergewöhnlich. Wie eine Einheit reiten wir dahin, besser gesagt, wir fliegen über die Wiesen, die Fluren und die Waldwege. Auf einer Brücke kommen mir Reiter entgegen. Zur Vorsichtig und schon aus Angst weiche ich denen aus. Jedoch diese ignorieren mich schon wieder, tun einfach so, als wäre ich nicht da.

Halt ... das kommt mir aber bekannt vor.

Das gleiche phantastische Reitempfinden hatte ich bereits bei der Begegnung mit den schwarzen Rittern und ignoriert wurde ich vorher auch ständig. Schlagartig wird mir bewusst, dass ich bereits das „Irdische“ verlassen haben muss, ohne es überhaupt mitzubekommen.

Renate hat es auch bemerkt: „ Da stimmt was nicht – du bist vermutlich bereits tot“.

Die Aufgabenausführung für die Reinkarnationssitzung „kurz vor dem Tod verweilen und dann den Tod bzw. das Körperverlassen bewusst erleben“ hat wieder nicht geklappt. So ein Pech oder ist es ein Glück? – Tatsache ist, das (Unter)-Bewusstsein lässt sich nichts vorschreiben.

Renate gibt mir den Rat, doch zurückzureiten und zu schauen, wann und bei welcher Gelegenheit ich gestorben bin.

Ich drehe also mit meinem Pferd um und reite zurück. Jetzt fällt mir auf, dass ich trotz der Finsternis recht gut den Weg finde. Ich habe überhaupt keine Probleme etwas zu erkennen und bin in einer unheimlichen kurzen Zeit wieder am Kampfplatz.

Ich sehe mich um. Überall liegen Leichen herum. Schemenhafte Gestalten hasten mehr oder weniger ziellos umher. Einige dieser Gestalten starren auf den Boden, wieder andere versuchen sich für den bevorstehenden Kampf zu rüsten und ein paar wenige, das scheinen die Vernünftigeren zu sein, laufen einfach weg.

Wobei mir nicht ganz klar ist, ob ich  nun Tote oder Lebende vor mir habe. Ich habe das Gefühl, dass  zahlreiche Gestalten, ebenso wenig wie ich, begriffen haben, was mit ihnen geschehen ist.

– Sie scheinen ebenfalls tot zu sein – so tot wie ich. Sie haben ihr Ableben offenbar auch nicht mitbekommen.

Sehr gut erkennbar, in einer Furche, zusammen gekrümmt neben dem Schwerverwundeten, liege ich. D. h. mein Körper liegt dort, ich bin ja voll und ganz hier.

Ich gehe näher ran und betrachte mich. Das Messer des Verwundeten steckt in meinem Bauch. Das Blut um die Wunde trocknet bereits. Das Gesicht, mein Gesicht, ist verzerrt. Der Tod muss doch sehr schmerzhaft gewesen sein. Merkwürdigerweise lässt mich das völlig kalt. So als hätte ich keine Beziehung zu dem Toten dort am Boden.

Außerdem habe ich jetzt andere Probleme. Da es inzwischen dämmert und die Soldaten geweckt werden, muss ich dringend die Soldaten davon abhalten wieder aufeinander loszugehen. Aber keiner, obwohl ich sie anbrülle und sogar noch versuche sie am Arm zu fassen, kein einziger hört oder reagiert auf mich.

Renate erinnert mich daran, die Frage nach meiner Lebensaufgabe zu stellen. –

Ich habe aber keine Zeit dafür. Ich muss unbedingt den Kampf beobachten. Ich schwebe inzwischen so ca. zwanzig Meter über dem Kampfplatz und habe eine super Aussicht. Ich kann auch direkt zum Feind hinüber wechseln, ohne irgendwie behelligt zu werden. Da will ich mich nicht um so etwas, wie eine Lebensaufgabe, kümmern. Dazu ist in mir der „Soldat“ zu sehr in mir verwurzelt.

Renate ermahnt mich wieder, doch endlich wenigstens ein oder zwei Vorgaben für die Reinkarnationssitzung zu erfüllen.

Eigentlich ist die Frage nach dem Lebenssinn oder Aufgabe ja unheimlich interessant – ja eine der zentralen Fragen des Lebens. Ich bin überzeugt in jeder anderen Situation hätte ich alles andere stehen und liegen gelassen und auch vieles gegeben, um hier eine Antwort zu bekommen.

Nur jetzt ist mir mein Balkonplatz wichtiger. Ich bin fasziniert von der neuen Art an dem Geschehen teilzunehmen. Ich bin nicht in der Lage - und will auch nicht - loslassen. Der Krieg, das Kampfgetümmel und der Ausgang des Kampfes interessieren mich zu sehr. Vielleicht kann ich doch noch etwas beeinflussen oder zumindest einen Beitrag dazu leisten.

Irgendwann folge ich doch Renates Aufforderung, diese wichtige Frage zu stellen.

„Was war meine Lebensaufgabe?“

 Als erste Antwort kommt mein Glaubenssatz:
„Ihr könnt mich alle gern haben, nie wieder Krieg“ und dann mit einiger Verzögerung ...
„Von Idealen geleitet zu sein, bringt nichts!“

Laut stelle ich die Frage: „Was war aber meine Lebensaufgabe, was sollte ich in diesem Leben lernen? Prompt kommt die Antwort:

„Kümmere dich nicht um andere, was die von dir denken.“


Jetzt bin ich platt. Meine damalige Lebensaufgabe hatte ich total verfehlt. Ich hatte nichts dazugelernt, obwohl mir alle Freiheiten dazu geboten waren, dies zu lernen. Ständig hatte ich dazu die Möglichkeiten. Ich hätte die Teilnahme an dem Feldzug ablehnen können. Nur weil ich mich um das gekümmert habe, was andere von mir erwarteten, versagte ich wieder. Selbst nach dem Tod hatte ich das Thema verfehlt. Völlig fertig liege ich auf der Matte.

Allmählich wird es mir bewusst, dass ich heute noch so lebe. Im Grunde genommen habe ich mich nicht verändert. Mein Leben wird stark von der Umgebung beeinflusst, was andere über mich denken und was sie wollen. Für mich sind Geltung und ausreichende Geldmittel nach wie vor wichtig. Diesen Code in meinem Gehirn schleppe ich schon seit Jahrhunderten mit mir herum.

Und noch etwas habe ich daraus gelernt. Das Unterbewusstsein lässt sich weder durch Vorschriften, Vorgaben oder Ähnliches beeinflussen und auch nicht manipulieren. Die eingangs vorgegebenen Schritte, wie die Reinkarnationssitzung ablaufen sollte, hat es einfach ignoriert. Es arbeitet völlig autark. Es ist wesentlich besser auf seine Gefühle, auf die Bauchgefühle zu hören und diese mit in Entscheidungen einzubeziehen, als nur auf nach Mustern, geprägt von Dritten zu handeln.

Durch  diese Sitzungserfahrung habe ich meine Verhaltensmuster und ihre Auswirkungen auf meine Handlungen und Entscheidungen im Beruf, im täglichen sozialen Leben, meine Beziehungen innerhalb der Familie und Freundeskreis sowie auf meine körperliche Konstitution erkannt. In der Synergetischen Arbeit als Analytischer Synergetik-Coach/-Profiler ist es mir heute möglich nach und nach meine eingeprägten Muster zu verändern, d. h. die seit langem mitgeschleppten Themen endlich zu bearbeiten und zu einer anderen Qualität zu führen.
Siehe hierzu auch www.synergetik-muenchen.de und www.psychobionik-muenchen.de